Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 184)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wise Louis D. Brandeis (Beifall), welcher zusammen mit Mack, Frankfurter und anderen seine Klugheit und seinen Einfluß der Leitung zur Verfügung stellte, die er vor vier Jahren zu verlassen notwendig fand. Verehrte Gesinnungsgenosen, in den letzten Tagen sind mir verschiedene Fragen gestellt worden. Ich möchte zwei davon beantworten, bevor ich dem nächsten Redner das Wort gebe. Ich wurde gefragt, was ich als amerikanischer Jude von den Demonstrationen hier in Wien und von den angedrohten Exzessen denke. Ich habe als Amerikaner und Jude geantwortet. Ich habe gesagt: Wenn eines Tages ein nichtjüdischer Kongreß in Jerusalem abgehalten wird, wird es nicht notwendig sein, in den Straßen zu patrouillieren. (Stürmischer Beifall.) So wie wir seinerzeit, als Präsident Wilson eine Kommission nach Polen sandte, um die Pogrome, die man später mit einem höflicheren Namen bezeichnete, zu untersuchen, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten sagten: Wenn wir im Jahre 1935 oder 45 oder 55 die Mehrheit der Bevölkerung in Palästina bilden werden, wird keine Kommission, keine Kommission nach Palästina geschickt werden, um die Ursachen von Exzessen und Ungerechtigkeiten gegen nichtjüdische Personen oder Gruppen in Palästina zu untersuchen — denn Palästina wird gebaut sein auf dem Felsen der Gerechtigkeit, gebaut im Geiste des Rechtes, und wird mit Gottes Hilfe niemals Ungerechtigkeit oder Unrecht gegen irgendeine Minderheit, gegen irgendeinen Glauben, gegen irgendein Volk kennen. (Lebhafter Beifall.) Und zweitens möchte ich, bevor ich weitergehe, erklären, warum keine jüdische Einwanderung nach Amerika möglich ist. Amerika ist, wie Europa, kriegskrank, es leidet an der Kriegshysterie. Wir Amerikaner haben nicht im gleichen Maß wie Europa an dem Krieg teilgenomenn, aber wir leiden nicht minder unter den Folgen, vor allem unter den moralischen Folgen des Krieges. Im Jahre 1913, als ich zum erstenmale nach Palästina kam, verlangte die türkische Regierung von mir die Annahme einer Karte, eines roten Zettels, der mir die Erlaubnis gab, mich ganze sechzig Tage in Palästina aufzuhalten. Ich verweigerte die Annahme dieses Zettels als unwürdig. Heute kann ich dank dem Völkerbund und dank der Mandatarmacht, die als Treuhänder die Wacht an den Toren Palästinas hält, frei nach Palästina kommen. Sie aber können nicht nach Amerika: das ist ein Beweis für die staatsmännische Weisheit der Weizmanns von gestern, eines Herzl und eines Nordau, die vor Jahren schon ausgesprochen haben, daß eine Zeit kommen kann, wo jedes Tor den Juden verschlossen sein könnte, daher solle wenigstens ein Tor offen gehalten werden. Die Prophezeiung ist wahr geworden: Alle Tore sind geschlossen. Nur eines ist offen: das jüdische Tor ins jüdische Palästina. (Beifall.) Das ist meine Antwort zur Frage nach den Immigrationsbeschränkungen Amerikas. 173