Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 177)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte Auffassung von Gruppen im Zionismus ist die Behauptung, daß die Juden im Gallithgenommen werden müssen, wie sie sind, und daß sie auch in Palästina gewürdigt werden sollen in derselben Form und derselben Art ihrer Galuthexistenz. Man sagt sich also: Wozu Zionismus, was ist der Sinn dieser zionistischen Bewegung, die nichts anderes darstellt als eine Transportfrage? Denn niemand, der Zionist ist, soll sich einreden, daß Palästina als Land schon die Menschen ändert. Daraus ergibt sich unsere Stellung zur vierten Alijah, die wir als ein Elementarereignis würdigen und mit der wir zionistisch fertig werden müssen. Wir betrachten diese ganze Einwanderung so, wie sie kritisch von einem Zionisten betrachtet werden muß. Es ist nicht nur die Anziehungskraft von Erez Israel in ihr zu spüren, sondern auch die Abstoßungskraft der Länder des Galuth. Die Führer von Eth Liwnoth, die Vertreter dieser elementaren Einwanderung, sind im Recht als Vertreter der drängenden Kraft, ihnen fehlt aber das zionistische Kriterium, daß sie zugleich Vertreter der gestaltenden Kraft der vierten Alijah sind. Man hat daher dort den Begriff des „Interessenzionismus" geprägt, die Auffassung, als ob wir uns heute schon in einer Situation befänden, in der das reine materielle Interesse Menschen nach Palästina bringt und ihnen das Leben dort so anziehend erscheinen läßt, daß sie zu Tausenden ihren Platz dort finden. Wir glauben, daß es unschön war, in der Debatte den Begriff „Nalewki" besonders herauszuheben, wir können ebensogut New York oder Berlin sagen. Jede Form der Galuthexistenz, auch die beste, scheint uns keine Zukunft zu haben und muß vom zionistischen Standpunkt geändert werden. Und wenn man auch heute auf der Linken, wie Rubaschow es tut, die vierte Alijah bewundert, so kann es nur geschehen, wenn man die Vorstellung einer mystischen Kraft mit ihr verbindet. Wir aber müssen politisch mit dem Problem fertig werden. Wir müssen uns klar werden über die Beeinflussung dieser großen Einwanderung im zionistischen Sinne. Arlosoroff hat schon den Begriff „Gleichgewicht" aus Dr. Halperns Rede ins rechte Licht gerückt. Gleichgewicht heißt doch zumindest normale Schichtung des palästinensischen Lebens. Und wenn Sie sogar die höchstentwickelten Industrieländer der Welt nehmen, so werden Sie finden, daß selbst dort 25 Prozent der Bevölkerung in landwirtschaftlichen Berufen tätig sind. Wir glauben, daß die Landwirtschaft die notwendige Grundlage ist, und wir glauben dies nicht aus einem dogmatischen Standpunkt heraus, sondern einfach darum, weil es keine andere Möglichkeit gibt, ein Land durch Juden zu gewinnen, als daß diese Juden selbst den Boden bearbeiten. Gerade weil wir die Schwierigkeit dieser Probleme sehen wollen, verlangen wir mit aller Kraft Eingreifen und Kontrolle der Einwanderung durch die zionistischen Institutionen. Wir halten es daher in diesem Zusammenhang durchaus für berechtigt, daß die Machlakoth haawodah der Palästinaämter so zusammengesetzt sind, daß 166