Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 176)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--5875-3482021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sokolow, Blumenfeld daran gewöhnt, aus der allgemeinen Politik, daß es eine Selbstverständlichkeit ist, sich oppositionell zu gebärden, und man glaubt, daß auch im Zionismus konstruktive, aufbauende Kräfte mit Verantwortung etwas Minderwertiges sind gegenüber einer Haltung, die zwar einerseits die Früchte der Arbeit genießen möchte, aber andererseits sich gleichzeitig immer in der gehörigen kritischen Distanz hält. Wir glauben, daß es eine zionistische Tugend gibt, und eine echte zionistische Tugend ist es, sachlich und verantwortungsvoll unserem Werke gegenüberzustehen. Wir glauben, daß das der Sinn der zionistischen Bewegung ist und daß ihre Legitimität darin liegt, daß sie den Begriff der Verantwortungspolitik auch in die jüdische Welt eingeführt hat. Eine Bewegung, die auf eine freudige seelische Verfassung ihrer Anhänger angewiesen ist, muß wissen, daß auch ihre kritische Haltung und ihre Kritik immer positiv und konstruktiv wirken soll. Meine Damen und Herren! Wir haben Ihnen unser Programm monatelang vor dem Kongreß bekanntgegeben. Wir überreichten Ihnen heute eine Broschüre, in der unser Programm abgedruckt isty und zwar unsere Stellung zur zionistischen Arbeit, zur Jewish Agency, zur Reorganisation und zum Aufbau Palästinas. In diesem Programm finden Sie unsere Vorschläge zur Organisationsfrage, in diesem Programm finden Sie eine Darlegung von mir über die Beziehungen zwischen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, und schließlich haben wir, da die Exekutive es nicht getan hat, auch die Programme der andern Gruppen in einem Anhang abgedruckt, damit der Kongreß auf diese Weise alle vorliegenden Programme vor sich hat. Ich erspare es mir, dieses Programm in allen Einzelheiten vor Ihnen zu verteidigen und im Zusammenhang mit dem Bericht der Exekutive zu behandeln. Ich greife einige Hauptfragen heraus. Zionismus ist für uns nationale Erneuerung des jüdischen Volkes. Den Satz, daß wir mit den Juden zu rechnen haben, wie sie sind, anerkennen wir nicht, sondern wir glauben, daß die Bedeutung und Aufgabe der zionistischen Bewegung darin liegt, die Juden in Erez Israel u n d in den Ländern der Galuth durch die zionistische Bewegung umzuformen zu einem neuen Typus. (Beifall.) Wir wissen, daß solche Worte in der zionistischen Welt vielfach anerkannt werden, wir wissen aber auch, daß sie heute vielfach grundsätzlich bestritten werden, und mehr noch als in Worten in Taten und Handlungen. Bisher waren wir der Ansicht, daß die Größe und die sittliche Kraft der zionistischen Bewegung sich in Palästina offenbart, wo eine von Idealismus erfüllte Gruppe zionistischer Menschen neue Formen des Lebens in der Wirklichkeit erprobt. Wir sind heute in Gefahr, daß dieses beseelte höhere Zentrum sittlicher zionistischer Kraft in seinen Wirkungen geringer wird. Charakteristisch für die 165