Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 161)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte Glanz "der jüdischen Renaissance, die wir in der Universität auf dem Har Hazofim, in der Oper und dem Theater in Tel Awiw sehen, diese Erfüllung von nationalen Bedürfnissen, die uns nur eine Stadt geben kann und die wir nur in der Stadt haben können. Das ist es, was dort fehlt. Und das ist es, was wir in Palästina haben und in Palästina haben müssen (Beifall). In Palästina ist das Land nicht so ausger dehnt wie in Rußland zum Beispiel oder sogar wie in Polen. Wo zwischen dem Dorf und der Stadt eine ungeheure Entfernung klafft, dort ist Anlaß für die Legende, daß die Leute wirklich in zweierlei Rassen geteilt werden; da ist der Fellach, der europäische Fellach von der einen Seite und der Stadtmensch auf der andern Seite. So ist es aber nicht in Palästina und so kann es nicht sein. In Palästina ist ein reger Verkehr. Die Stadt ist nicht weit vom Dorfe entfernt und das Dorf nicht weit von der Stadt. Unsere Chaluzim würden sich selbst gegenüber ungerecht handeln, wenn sie auf diejenigen kulturellen Bedürfnisse, die nur in der Stadt befriedigt werden können, verzichten, und wir würden ihnen gegenüber ungerecht vorgehen, wenn wir ihnen das vorenthalten wollten. Zwei Stunden Reise, das ist die weiteste Entfernung des Dorfes von der Stadt und umgekehrt. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, daß man nach dieser Auffassung handeln soll und sich nicht der Phantasie, der Utopie hingebe, daß der Dorfeinwohner in Palästina sich zu einer speziellen Eigenart entwickeln wird, die dem dortigen Stadtmenschen gar nicht ähnlich sein wird. Man hat von der vierten Alijah gesprochen, von den Leuten, die von uns, von Polen, nach Palästina gehen. Diese Juden sind dieselben, welche in der Vorkriegszeit den Markt des großen Rußland beherrscht haben, diese Leute bringen ihr Geld und ihre Investitionen nach Palästina. Warum begleiten wir sie mit einem solchen Pessimismus? Warum bemühen sich nicht die Exekutive und ihre Organe, nach Möglichkeiten zu suchen, um für diese Leute auswärtige Märkte sicherzustellen? Warum kümmert sich unsere Exekutive nicht um solche Dinge? Warum beschäftigt sich das Handels- und Industrie-Departement damit, daß es uns darüber informiert, was vor zwei oder drei Jahren geschehen ist, und zwar in einem solch pessimistischen Ton, daß diese Dinge gar nicht gemacht werden können, gar nicht unternommen werden können? Warum verhält sich die Exekutive so ungerecht gegenüber den Juden der vierten Alijah? Das ist unser Vorwurf. Das ist unsere Frage. Und ist es überhaupt vom zionistischen Standpunkt aus richteg, bei 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung das Gefühl zu erwecken, daß man an diese Juden gar nicht denkt, daß man von ihnen gar nicht spricht? Man beschäftigt sich mit den Juden, die man erst heraussuchen muß, die man durchzusieben hat, die man durchläutern muß; aber sie bemerkt man gar nicht, von ihnen spricht man gar 150