Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1926-01-01 · 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925 · p. Seite 149

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
Date
1926-01-01
Page
Seite 149 (sequence 160)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476282--5859-3482005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gottlieb hergekommen, um jemandes Anteil zu vermindern oder irgendwem etwas wegzunehmen. Wir sind aber hergekommen und fordern, daß man für diese Juden Verständnis habe und sie nicht ihrem Los überlasse, denn diese Juden blicken auf diese Tribüne hier und erwarten, daß man ihnen Rechnung tragen werde. (Beifall.) Meine Herren, es sind nüchterne Leute und sie machen eine sehr einfache Rechnung. Sie wissen gaz gut, daß die Zionistische Organisation nicht über einen Ueberfluß an Geld verfügt, sie wissen, daß die zionistische Leistungskraft nicht so groß ist wie seinerzeit die des Baron Hirsch oder des Baron Rothschild. Aber diese Juden wollen das Gefühl haben, daß man an sie denkt, daß jeder von ihnen, wenn er einen Wunsch hat, bei der zionistischen Leitung Gehör finden wird. Nicht einer von ihnen — von diesem verrufenen Mittelstand — erwartet mehr. Die Prinzipien und die Gedanken, welche hier vorgeschlagen wurden, sind sehr schön, aber wir sind dessen gar nicht sicher, wenn wir das beschließen sollten, daß es auch durchgeführt werden wird. Wir haben gar keine Garantie, daß bei der Art und Weise, wie in Palästina gearbeitet worden ist, wirklich all die Beschlüsse auch eingehalten werden. Wir sind nicht gegen die Landwirtschaft, im Gegenteil. Ich will über diese Sache nicht viel sprechen. Wir glauben, daß die Landwirtschaft das Primäre ist, und dieses Primat werden wir nie verleugnen, niemals. Es schmerzt uns mehr, wenn zweihundert Familien des Mittelstandes sich nicht in der Landwirtschaft ansiedeln, weil sie sich dafür nicht interessieren, als wenn zweitausend Familien nicht von der Stadt zur Landwirtschaft übergehen können. Das ist kein Gegenstand von Differenzen und Parteistreitigkeiten, von verschiedenen inneren Reibungen. Meine Herren! Das ist keine Frage der Parteizugehörigkeit oder davon, was der eine oder der andere denkt, das ist ein zionistischer Grundsatz, daß man vor allem den Boden in Palästina erobern müßte. Aber verehrter Kongreß, wenn von dieser Tribüne aus, die die Vertretung des Gedankens des historischen Rechtes des jüdischen Volkes auf den jüdischen Boden ist, wenn man von dieser Tribüne aus mit irgendwelcher negativen Abschätzung, mit kränkender Kritik, mit einem Beigeschmack von Verachtung über die Stadt spricht, begeht man ein Unrecht, Ich frage Sie: Was ist denn das Hauptargument gegen die Krimkolonisation, von der jetzt so viel gesprochen wird? Dort habt ihr viele Dinge, meine Herren, genau wie in Palästina. Man führt den Juden vom Städtchen zu produktiver Arbeit über, man führt ihn hinüber in die Landwirtschaft, man führt ihn hinüber von einer Einzelwirtschaft zu einer kooperativen Wirtschaft. Alles schöne Dinge, fast dieselben schönen Dinge, die wir in Palästina haben sollen. Aber eines fehlt, es fehlt der Zionismus, es fehlt der nationale Gedanke, es fehlt die kulturelle Physiognomie, und es fehlt derjenige 149

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.