Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 158)
- Language
- German, English, Hebrew
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Farbstein, Gottlieb danken des Aufbaus Erez Israels. Es begleitet uns auch das Bild, das wir in den letzten Tagen sahen, die Reihen jüdischer Menschen, die in Warschau und in ganz Polen mit den Schekalim in den Händen standen und darauf warteten, ihre Stimme zum höchsten jüdischen Parlament, zu unserem Kongreß, abgeben zu können. Dieses Bild begleitet uns. Und dieses Bild beweist uns, daß andere Zeiten für den Zionismus, für den Aufbau Palästinas gekommen sind. Es ist das vielleicht nicht alles, es ist vielleicht sogar weit entfernt davon, was wir erträumten. Aber es ist der Anfang der Verwirklichung unseres Traumes. Es handelt sich nicht nur darum, daß 1500, 1600 oder sogar 1900 jüdische Menschen jeden Monat von Polen nach Palästina gehen; es handelt sich darum, daß das ganze jüdische Volk, daß drei Millionen Juden von Liebe, von Aufopferung, von Begeisterung für eine Sache durchdrungen sind; es handelt sich nicht nur darum, daß so und so viel Juden sich entschlossen haben, den schweren, dornenvollen Weg der Ansiedlung in Palästina zu beschreiten, es handelt sich darum, daß die große Masse der Juden in Polen vom Zionismus erfaßt ist, die noch vor zwanzig Jahren unter dem Damoklesschwert stand, unter der Gefahr, von der Assimilation aufgerieben zu werden, unter dem Einfluß der Propaganda der größten Verräter in der jüdischen Geschichte, der Nathansons und Dicksteins. Die polnischen Juden haben sich von diesem Druck befreit. Sie kommen zu uns und mit ausgestreckten Händen flehen sie uns an: Geht mit uns, wir wollen das jüdische Volk und das jüdische Land und wir wollen sogar selbst nach Palästina gehen. Es handelt sich nicht nur darum — wie ich vorhin sagte —, daß Juden, die verschiedenen Schichten und Klassen angehören, sich dem Gedanken Eipz Israels genähert haben, sondern es kommt auf die große Wiederbelebung des jüdischen nationalen Lebens an, die diese Bewegung mit sich gebracht hat, daß sie gezeigt hat, daß die jüdische Masse mit uns geht und daß sie all die jüdischen Parteien niedergeschmettert hat, die sich uns entgegengestellt haben. Alle, alle stehen sie nun unter dem Zwang der Notwendigkeit des Aufbaus Erez Israels. Und deshalb glaube ich, daß diese neue Einwanderung, diese Einwanderung, die man die vierte Alijah nennt, einen der historischen Momente in der Geschichte des Zionismus bedeutet, eines der größten Ereignisse, für das man nicht Entschuldigungen vorbringen soll, meine Damen und Herren, diese Alijah muß man gar nicht verteidigen, sondern man muß sie dankbar begrüßen. (Beifall.) Wir haben von dieser Tribüne aus seitens der geehrten Mitglieder unserer Exekutive gehört, daß man es nicht vorausgesehen hat, man hat sich — sagt man uns — kein Bild davon machen können, was kommen wird, denn es sind im ganzen acht Monate, seit diese Alijah angefangen hat. Das ist eine unbefriedigende Antwort. Es ist die Aufgabe einer Leitung einer solch mächtigen Organisation, wie es die 10* 147