Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 150)
- Language
- German, English, Hebrew
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Farbstein Mitglied des Actions-Comites H. Faibstein (jüdisch): ' Verehrter Kongreß! Wenn man die eben abgelaufene Periode Von zwei Jahren betrachtet, muß man beim Eintritt in die Debatte eines der größten historischen Ereignisse berühren, das in diese Periode fällt, das ist die Eröffnung der jüdischen Universität auf dem Har Hazofim, der dicht vor den Toren von Jerusalem ist, auf dem Har Hazofim, von dem aus vor zweitausend Jahren der große Anführer des römischen Volkes die Vernichtung des jüdischen Staatswesens geleitet hat, des römischen Volkes, das heute nicht mehr existiert, während die Juden in ihr Land zurückgekommen sind und als erstes Geschenk für ihre Mutter das Heiligtum der Wissenschaften, die Universität, gebracht haben — wer nicht dort :war, der kann sich keinen Begriff von der Bedeutung dieses historischen Momentes machen. Deshalb müssen wir alle unseren herzlichen und tiefsten Dank unserer Exekutive und ganz besonders unserem Präsidenten Weizmann für diese Tat ausdrücken. (Beifall.);i Wenn wir aber die politische Tätigkeit der Exekutive betrachten wollen, müssen wir sagen: Universität — und Schluß. Andere Errungenschaften kann unsere Exekutive während der letzten zwei Jahre nicht aufweisen. Wir könnten vielleicht sagen, daß wir gleichzeitig mit der Alijah, dem Aufschwung der praktischen Tätigkeit, den wir beobachten können, im Gegensatz dazu eine Jeridah, einen Niedergang in der politischen Entwicklung feststellen. Wenn wir noch auf dem 13. Kongreß davor warnten, daß die Unterzeichnung des Weißbuches ein Unglück für die ganze zukünftige Arbeit der Zionistischen Organisation sein könne, so können wir schon heute darauf hinweisen, daß der weiße Faden, der vom Weißbuch ausgeht, sich durch die ganze Tätigkeit und die Stellung der Vertreter der Mandatsregierung in Palästina zieht. Als wir gestern den Bericht des Präsidenten Weizmann hörten, mußten wir uns sagen, daß zwar die Haskarath Neschamoth, die Totenfeier, einige tüchtige Vertreter der Mandatsmacht in Palästina erwähnte, aber von den Verdiensten derjenigen, die noch heute als Vertreter der englischen Regierung in Palästina leben, haben wir nichts gehört. Wir sind beruhigt, wir sind überzeugt, daß die englische Regierung sicher tüchtige Vertreter in Palästina hat. Wir wollten aber nicht von der Tüchtigkeit der Vertreter der englischen Regierung hören, wir wollten vielmehr etwas von der Tüchtigkeit unserer eigenen Vertreter und Führer hören (Beifall). Unser Präsident hat uns von der „Alijah rewiith", der vierten Einwanderungswelle, erzählt und darauf hingewiesen, daß sich die Zahl der Juden in Palästina in der kurzen Zeit eines Jahres von 95.000 auf 135.000 erhöht hat. Wir können aber unserer Exekutive versichern, daß sie an dieser „vierten Alijah" keine Schuld trägt. Hätte unsere Exekutive für die vierte Alijah gesorgt, dann bezweifle ich es sehr, ob sie heute dieses Maß erreicht hätte. (Beifall.) 139