Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 142)
- Language
- German, English, Hebrew
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Soskin ins Gewicht! Das Geldbedürfnis eines jüdischen Siedlers ist bei weitem größer als die Summe, die ihm der Feldbau jemals wird einbringen, wobei selbstverständlich zu diesem Geldbedarf auch die Verzinsung und Amortisation zu rechnen sind. Wäre nicht die Ausfuhr von Apfelsinen nach England, von Tabak nach Deutschland und Amerika, von Wein, von Gemüse zum Teil nach Damaskus, würde die jüdische Landwirtschaft ein ruinöses Beginnen sein. Und schon sieht man das auch in den Arbeiterkreisen ein, und „Hamaschbir" unternimmt die Ausfuhr von Gemüse und Tafeltrauben nach Rumänien und Polen. Ein Bruch mit der Autarkie im eigenen Lager der für diese Ideologie verantwortlichen Kreise! So geht das tägliche Leben über die weltfremden Theorien zur Tagesordnung über. Hat man denn in Palästina, wird man fragen, diese so einfachen Gedanken noch nicht begriffen? Hat man gar nicht versucht, intensiver den Boden auszunützen? Gibt es dort keine Beispiele hoher Erträge von der Flächeneinheit? Jawohl, es gibt welche! Aber sie sind nur vereinzelt und stellen das Ergebnis von kleinen Flächen dar, während ich Ihnen hier Zahlen habe nennen können aus Gebieten, wo Durchschnittsergebnisse von hunderttausenden von Dunam durch viele Jahre hindurch bekannt geworden sind. Die wenigen Zahlen aus Palästina lauten günstig: man erzielt in der Kwuzah Tireh schon mehrere Jahre 8 Pfund pro Dunam für Zwiebeln, in Kinereth wurden im vergangenen Jahre von 50 Dunam Gemüse (bewässert) 500 Pfund vereinnahmt, dies bei nur einer Ernte im Jahre. In Daganiah wurden von Futterrübe als Zwischenkultur zwischen jungen Orangen 15 Pfund erzielt. Kinereth hat von drei Dunam Bananen 94 Pfund vereinnahmt. Ich fand in diesen zuletzt genannten Siedlungen ein großes Interesse und einen tiefen Ernst für die intensive Bearbeitung des Bodens, die auch hier erst in ihren Anfängen ist und von keiner Seite irgendwelche Unter* Stützung findet. Man sage mir nicht weiter, im Jordantal bestünden besonders günstige Bedingungen für intensive Kultur, das stimmt nicht! In ganz Palästina finden wir vorzügliche Bedingungen hiefür unter der einen Voraussetzung der Ausnützung der Bewässerung. Sieht man nun Palästina unter diesem Gesichtswinkel, so eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten für den ökonomischen Aufbau und daraus ganz andere Forderungen für unsere Arbeit. Das Ziel muß sein: 1. Palästina wird ähnlich der Nordküste von Algier, Aegypten, der Ostküste Spaniens, Südfrankreich, Süditalien, Malta und außerhalb des Mittelmeeres ähnlich den Kanarischen Inseln, Kalifornien usw. eine nach dem Auslande gerichtete Landwirtschaft betreiben. Es wird hochwertige Produkte erzeugen, deren Wert nicht so sehr in den Nährstoffeinheiten als vielmehr in ihrer Seltenheit zu gewissen Jahreszeiten einerseits und in ihrer Eigenschaft als 131