Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 139)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte isein werden. (Seite 25 bis 26 des Berichtes.) Es ist interessant, wieviel dann endgültig die Ansiedlung einer Familie auf Grundlage der gemischten Wirtschaft kosten wird. Will man dann noch den Betrag von 1500 Pfund bestreiten? Schließlich verkündet uns der Bericht in seinem 11. Abschnitt, daß außer der Aufgabe der Konsolidierung und Vollendung der schon geschaffenen Siedlungspunkte neue kolonisatorische Aufgaben unser warten. Einerseits warteten Hunderte von Chaluzim mit mehrjähriger Erfahrung auf Ansiedlung, andererseits ist ein neues Element hinzugekommen — der Mittelstand, dem schon die Entstehung der Kolonien in Magdiel, Bnei-Brak, Nachlath Jakob und Awodath Israel (Siedlung des Jablonner Rabbi) zu verdanken ist. Schließlich soll auf dem Kongreß die Beteilung an der von mir vorgeschlagenen Kolonie auf Grundlage der intensiven Ausnützung des Bodens vor^ geschlagen werden. Und diese letzte Empfehlung der Exekutive an den Kongreß will ich nun benützen, um den positiven Teil meines Programm es darzulegen. Hoher Kongreß! Hätte ich nicht positive Vorschläge zu unterbreiten, die uns einen freudigeren Ausblick in die Zukunft gewähren als die bisherige kolonisatorische Leistung auf landwirtschaftlichem Gebiete, ich würde die Geduld des Kongresses nicht auf eine solche harte Probe gestellt haben. Ich würde es nicht gewagt haben, das Alte abzulehnen, ohne etwas Neues und unbedingt Besseres an dessen Stelle zu setzen. Ich habe dargetan, daß Getreidebau sich für den Juden in Palästina nicht lohnen kann und die Milchwirtschaft nur bedingungsweise. An Stelle dessen setze ich die Kultivierung hochwertiger Produkte, für die Palästina klimatisch und dank seiner geographischen Lage ganz besonders geeignet ist. Ich wies darauf hin, daß Brot seinem Werte nach den geringsten Teil der Kosten der Lebenshaltung darstellt. Die Forderung, das Brot müsse das Produkt der eigenen Wirtschaft sein, ist gegenwärtig ein widersinniger Gedanke. Im Altertum, da es an Verkehrsmitteln fehlte und der Warenaustausch nicht die Bedeutung erlangt hatte wie heute, mag dies notwendig gewesen sein. Daher wird Palästina in der Heiligen Schrift auch als das Land von Weizen und Gerste bezeichnet. Es ist dies auch noch für den bedürfnislosen Fellachen, zu den Kornkammern wird es aber nie gezählt werden, wie es solche in manchen Ländern Europas vor Aufkommen der überseeischen Massenproduktion an Getreide gegeben hat. Palästina rangiert unter den Mittelmeerländern, die immer mehr die Rolle der Versorger vieler Millionen Menschen in Mittel- und Nordeuropa, zum Teil auch in den Tropen mit den notwendigsten Nahrungsmitteln übernehmen, die dort im Winter nicht oder 128