Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte Wir sind aber noch nicht mit dem Weizen fertig. Um die neun Pfund Sterling Getreidewert zu erzeugen, müssen die schwer arbeitenden Kolonisten im Emek ein Pferd oder Maultier halten, das zu seiner Ernährung allein 30 Dunara Land erfordert. Zunächst die bescheidene Frage: weiß die Plankommission nichts von der Existenz kleiner Traktoren, zu deren Unterhaltung keine 30 Dunam Land erforderlich sind und die nur das Futter, das heißt Brennmaterial erfordern, wenn sie arbeiten. Sie ziehen einen Pflug, einen Wagen und bedienen mehrere Kolonisten, so daß sich die Kosten entsprechend verteilen lassen. Ist die Haltung eines Pferdes ebenfalls eine Forderung der Naturalwirtschaft, muß das Pferd ebenfalls von seiner eigenen Scholle ernährt werden? Ich glaube, auch hier spricht die Ideologie des autarkischen Bauern mit, der nichts mit Benzin zu tun haben will, lieber selbst darbt, das Pferd aber auf seinen Schultern schleppt. Wie dem auch sei, zur Erzeugung von Weizen von zehn Dunam ist ein Pferd erforderlich, zu dessen Versorgung 30 Dunam nötig sind. Freilich bearbeitet das Pferd auch eine Fläche von 30 Dunam, auf der das Futter für die Kühe erzeugt wird, noch zehn Dunam für Saatgut und, da es einmal vorhanden ist, auch die Pflanzungen. Denken wir uns einen Augenblick, der Kolonist würde das Brot für 9 Pfund im Jahre kaufen und statt eines Pferdes einen Anteil am Traktor besitzen, so würde auch die Notwendigkeit wegfallen, den größten Teil der Fläche für das Saatgut zu bestellen. Denn wenn ich Brot kaufe und kein Pferd halte, so brauche ich doch kein Saatgut. Diese insgesamt 50 Dunam, also die halbe Fläche, bringen außer dem Brot für die Familie noch keinen roten Heller ein. Sogar in einem Lande der geregelten landwirtschaftlichen Produktion, wo es große Flächen gibt, auf denen Getreide erzeugt wird, in einem Lande mit traditionellen Formen des Feldbaues und festgelegten Formen der Wirtschaft, in Deutschland, wo die Erträge schon die Höhe von 2000 kg per Hektar erreicht haben, wird ein Schutzzoll auf Getreide gefordert, nur mit Hilfe einer Schutzzollpolitik kann Getreide mit Nutzen angebaut werden. Das heißt, daß die gesamte Bevölkerung des Landes ein Opfer bringen muß, um den Getreidebau zu ermöglichen. Vor dem Kriege bestand ein Zoll auf das eingeführte fremde Getreide sehr zu Ungunsten der städtischen Bevölkerung. Und jetzt nach dem Kriege wurde neuerlich ein Zoll von 30 Mark für die Tonne Roggen und von 35 Mark für die Tonne Weizen eingeführt, der ein Jahr später, vom 1. August 1926 ab auf 50 Mk. für Roggen und 55 Mark für Weizen heraufgesetzt werden soll. Ist dies den Mitgliedern der Plankommission nicht bekannt geworden? Haben sie sich keinen Gedanken darüber gemacht, daß, wenn es der hochentwickelten deutschen Landwirtschaft nicht molich ist, ohne einen Schutzzoll das Brotgeteirde zu erzeugen, es bei uns in Palästina erst recht nicht möglich sein kann Getreide zu produzieren? Oder wollen die Herren auch bei uns einen Schutzzoll auf Getreide for- 118