Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 128)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--5827-3481973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Soskin 60 bis 80 Piaster, bei Gerste trotz des höheren Ertrages nicht mehrr denn sie hat bekanntlich einen geringeren Preis als Weizen, bei Hülsenfrüchten etwa das gleiche. Der Getreidebau allein erbringt somit nicht einmal die Zinsen für das Kapital. Wo bleiben dann noch die Kosten für einen noch so bescheidenen Unterhalt, die Wirtschaftskosten, die Steuern, die allgemeinen Ausgaben? Die Plankommission, die den Emek salvieren soll, hat trotzdem eine Rentabilität der gemischten Wirtschaft errechnet, freilich hat sie hiebei nur 30 Pfund für Zinsen eingesetzt, das ist zwei Prozent der investierten Summen. Untersuchen wir die Rentabilität der einzelnen Wirtschaft. Da sind zunächst zehn Dunam erforderlich, um die Familie mit Brot zu versorgen. Trotzdem auf Seite 8 des Berichtes der Plankommission behauptet wird, daß bei den Einnahmen als Grundlage ein Ertrag von 60 bis 80 kg pro Dunam für Weizen angenommen wird, setzt sie im Anhang 2 den Ertrag mit 100 kg pro Dunam ein. Es ist dies zwar ein Widerspruch, man könnte aber der Kommission eine mögliche? Steigerung der Erträge zugute halten, die allerdings beim Getreidebau nur langsam vor sich geht, wie dies die Erfahrung aller Länder zeigt. Wenn der Hektar-Ertrag 700 kg (entsprechend 60 kg vom Dunam) ist, so vergehen Jahre, bis er als Durchschnitt großer Flächen auf 1100 kg (,— 100 kg vom Dunam) steigt. Freilich wird es stets vereinzelte Gegenden und gewisse Flächen geben, die mehr liefern. Aber die Annahme, daß nach einer Uebergangsperiode von fünf Jahren, von der schon drei verstrichen sind, die Erträge um mehr als fünfzig Prozent steigen, ist nicht gerechtfertigt. Die Plankommission sollte doch wissen, daß die Hauptfaktoren für die Ertragssteigerung beim Getreide starke Düngung, erstklassiges Saatgut und gute Bearbeitung sind. Für starke Düngung, auch mit chemischen Düngemitteln, da der Stallmist von zwei Kühen und einem Pferd für hundert Dunam nicht wirken kann, ist kein auch noch so geringer Betrag vorgesehen. Aber zugegeben, die Voraussage des höheren Ertrages würde auf den meistens schon ausgesogenen Böden von selbst wahr werden, so repräsentiert das Brotgetreide einen Geldwert von nur 9 Pfund im Jahr pro Familie von fünf Köpfen. Im ganzen Budget von etwa 160 Pfund Ausgaben im Jahr, die Naturallieferung der Wirtschaft an Brot, Milch, Gemüse, Eiern eingerechnet, ist das Brot mit 9 Pfund vertreten. Ja, ist denn Brot überhaupt noch die Hauptnahrung des Menschen dem Geldwerte nach? Ist denn noch in unserem Zeitalter des höchstentwickelten Transportwesens die autarkische Forderung der Erzeugung des Brotes auf der eigenen Scholle mehr als eine Ideologie? Warum soll denn auf dem teuren Boden und in der teuern Wirtschaft des jüdischen Landwirtes in Palästina ein so geringwertiges Produkt wie Weizen erzeugt werden, wenn man es so bequem und billig von Australien, Indien oder Rumänien einführen kann? 117