Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 125)
- Language
- German, English, Hebrew
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4. Sitzung: Generaldebatte der Europas, wie Rußland, Rumänien, Ungarn, rangieren unter die letzteren. Getreide ist somit das billigste Produkt der Bodenbebauung. Es ist transportabel, es hat einen internationalen Markt, es hat in Palästina den gleichen Wert wie in Australien, wie in London, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Entfernungen. Das Getreide ist gegenwärtig das Produkt entweder großer und billiger Flächen oder billiger Arbeit. Nicht selten trifft beides zusammen. Haben wir große, billige Flächen in Palästina zu unserer Vertilgung? Ist unsere Arbeit billig? Die Frage stellen heißt sie auch schon verneinen. Jedermann weiß, wie klein unser Land ist und wie gewaltig hoch der Preis für den Boden ist, der durch fSpekulation und die Forderung größerer Flächen täglich weiter in die Höhe getrieben wird. Wir bezahlen nicht den ökonomischen Wert des Bodens, wie es sonst in der Welt zu geschehen pflegt, indem man das Einkommen, welches der Besitzer in den letzten drei bis fünf Jahren von dem Boden hatte, kapitalisiert, sondern wir zahlen für das Land Liebhaberpreise, die bei weitem den realen Wert des Bodens übersteigen. Auf einem solchen Boden Getreide anzubauen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die Parzellierung des Emek in Wirtschaften ä 100 Dunam, mit der Absicht, dort Getreide zu bauen, zu einer Zeit, als man für den Boden schon fünf bis sechs Pfund per Dunam bezahlen mußte, war ein ökonomischer und nationaler Fehler von größtem Umfange. Ist diese Boden- und Kolonisationspolitik vor drei bis vier Jahren falsch gewesen, so ist das Verharren bei diesem System nicht anders zu bezeichnen denn als ein nationales Verbrechen, das von der ökonomischen Unreife der für die Kolonisation verantwortlichen Personen zeugt. Dies zu beweisen ist nicht schwer. Eine Hundert Dunam-Ackerwirtschaft oder, wie man sie nennt, eine „gemischte" Wirtschaft, kostet in Palästina nicht weniger als 1.500 Pfund. Zwar zeigt uns der Bericht der Plankommission, daß man nur 700 Pfund für die Familie braucht, außer dem Boden, der nicht weniger als 500 Pfund, eher mehr als weniger, kosten muß, jedoch sind die Zahlen der Plankommission sehr nach unten gehalten. Die Tabelle 4b des Berichtes des Kolonisations-Departements zeigt uns die tatsächlichen Aufwendungen bis Ende 5684. Und da stellt sich heraus, daß die Ausgaben pro Familie in Nahalal 1180 Pfund und in Kfar Jecheskiel 1380 Pfund waren. Dabei wird von der Kolonisationsabteilung darauf hingewiesen, daß in diesen Zahlen die Investitionen der Kreditoren und Kolonisten nicht enthalten sind. Wie hoch diese Investitionen waren, läßt sich wohl nicht feststellen. Sie mögen hundert Pfund, aber auch zweihundert Pfund pro Familie ausmachen. Nun ist aber auch nicht zu vergessen, daß die Kolonisten im Emek noch in Holzbaracken wohnen, die zwar auch gut bewohnbar sind, aber nicht den von der Plankommission vorgesehenen Be- 114