Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 95)
- Language
- German, English, Hebrew
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3. Sitzung: Referate über Palästinawirtschaft Ich kann es gar nicht scharf genug betonen, wie sehr durch diese Ausnützung billiger Frauen- und Kinderarbeit in den Nachbarländern unsere eigene Lage in Palästina erschwert wird. Wenn ich sage, daß wir in Palästina Europäer bleiben wollen, so heißt das auch, daß wir unseren Kindern eine Schulerziehung angedeihen lassen wollen, daß wir unsere Frauen nicht, wie dies bei den Aegyptern üblich ist, einfach zu Transporttieren erniedrigen wollen. Aber das sind Schwierigkeiten, mit denen wir zu rechnen haben. Wir können uns heute nicht auf den vorderasiatischen Standard of life zurückschrauben. Wir haben zu oft gesagt, und die Außenwelt hat es uns gerade hoch angerechnet, daß wir europäische Lebensformen nach Asien verpflanzt haben, und ich kann mir auch nur das vorstellen, daß in Aegypten und Syrien, gerade durch die Arbeiten des Völkerbundes und auf andere Weise, allmählich Gesetze eingeführt werden, die die schreckliche Ausplünderung, die dort noch herrscht, verbieten und in diesen Ländern den Standard of life der Bevölkerunghöher stellen. Aber vorläufig sind wir die Einzigen in diesem Gebiet, und dieses Gebiet reicht ja weit hinaus nach Nordasien, China und Japan, die sich versagen, ihre Kinder von frühester Jugend an zu industrieller oder sonstiger schädlicher Arbeit zu benützen, und ihren Frauen die Möglichkeit eines häuslichen Lebens geben. Das schafft uns die Schwierigkeiten in der Landwirtschaft und Industrie. Es ist auf die Dauer unmöglich, daß wir, eine kleine Minderheit, in Palästina hohe Löhne zahlen, wenn ringsherum große Bevölkerungsschichten mit niederen Löhnen leben. Eine gewisse Zeit wird diese Schwierigkeit noch andauern. Es wird allmählich sicher ein Gesetz erlassen werden, das die schreckliche Ausnützung der Kinder verbietet, und das einzige Heilmittel für uns ist nicht, daß wir unseren Standard herabsetzen, sondern daß der Standard der Nachbarn sich erhöht. Ein Beispiel für den niedern Standard unserer Nachbarn: Griechenland hat jetzt fast 100.000 Griechen, die in der Türkei gelebt hatten, nach 84