Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 94)
- Language
- German, English, Hebrew
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Halpern, Ruppin Wir haben in den letzten beiden Jahren in Palästina zwei erfreuliche Erscheinungen zu verzeichnen. Einmal die Stärkung der Einwanderung und dann die Vergrößerung des Bodenbesitzes. Beim letzten Kongresse betrug die Anzahl der Juden im Lande 90.000, das war ein Achtel der Bevölkerung, jetzt sind es 135.000 oder ein Sechstel der Bevölkerung. Der Bodenbesitz betrug damals 500.000 Dunam, das sind fünf Prozent der kultivierbaren Gesamtfläche, jetzt fast eine Milion, das ist das Doppelte. Es wäre alles erfreulich, wenn wir sagen könnten, daß diese Einwanderung in Palästina fest verwurzelt ist und daß der Boden angefangen hat, Früchte zu tragen. Leider haben wir noch keine definitiv günstigen Ergebnisse. Ich habe in den letzten Monaten einige Reisen in die Nachbarländer Palästinas, nach Syrien, nach Aegypten und Griechenland gemacht und dabei eine seit langem bekannte Tatsache bestätigt gefunden, die die Wurzel aller der Schwierigkeiten in Palästina ist, die Tatsache, daß wir seit dem Beginn der Kolonisation Palästinas, das ist seit fast fünfzig Jahren, das Prinzip gehabt haben, in Palästina als Europäer zu leben, daß wir den europäischen Standard of life dem asiatischen gegenübergestellt haben. Ich sage ja nicht einmal, daß das nicht gut ist, ich stelle es nur fest, daß wir von vornherein angefangen haben, Europa nach Palästina zu verpflanzen. Diese Verpflanzung eines höheren Standards hat inmitten der Umgebung eine künstliche Wirtschaftsinsel, eine Art Korallenriff, geschaffen. In Aegypten ist Frauen- und Kinderarbeit für zwei und drei Piaster Lohn pro Tag in großer Zahl zu haben. In Syrien arbeiten in den Fabriken kleine Kinder, die so gut wie gar nichts als Lohn bekommen. Als ich in einer Fabrik den Leiter fragte, von welchem Alter ab er Kinder aufnehme, erklärte er mir mit Stolz: Wir nehmen hier Kinder erst vom zehnten Jahre auf, während überall sonst Kinder bereits vom fünften Jahre aufgenommen werden! 6* 83