Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 83)
- Language
- German, English, Hebrew
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3. Sitzung: Referate über Palästinawirtschaft unsere organisatorischen Fähigkeiten — ich spreche nicht vom Geld — wenn wir alle unsere zionistische Energie für die Landwirtschaft einsetzen und alle anderen Dinge sich entwickeln lassen, ohne auf sie Rücksicht zu nehmen, ohne ihnen zu helfen, ohne sie zu beeinflußen. Dann darf man nicht hinterher kommen und sagen: all das, was sonst geschieht, ist unschön und nicht national. Wir haben nicht nur Geld, sondern viel Arbeit, unendlich viel Arbeit darauf verwendet, die Anfänge einer jüdischen Landwirtschaft in Palästina zu begründen. Die Besten unter uns sind hingegangen und haben das getan, aber ich möchte sagen, man tut diesen Besten Unrecht, wenn man, wie es jetzt geschieht, anfängt, sie beinahe zu bemitleiden, zu sagen: was sie tun, tun sie nicht für sich, sie stellen ihr eigenes Interesse gegen das nationale zurück. Ihnen ist das beschieden gewesen, was das Höchste ist für einen Mann: sie sind ausgegangen, ein hohes Ziel zu erreichen, und die meisten von ihnen haben ihr Lebensideal erzielt. Und sie können es weit von sich weisen, von anderen bemitleidet zu werden. Nun sagt man: diese landwirtschaftliche Bewegung, diese Chaluzbewegung muß weiter gestärkt werden; und ich sage es auch. Aber der Begriff eines Chaluz ist nicht verbunden mit einer politischen Ueberzeugung (Beifall). Präsident Sokolow hat heute Baron Edmond Rothschild einen Chaluz genannt; warum sollen wir einem chassidischen Rebben und seinen Anhängern, die, getrieben von innerer Ueberzeugung, aufs Land gehen, weniger chaluzische Ueberzeugung zubilligen als einem anderen mit anderen politischen und religiösen Ueberzeugungen (Zwischenrufe)? Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir kein Recht haben, irgend jemandes Gesinnung minder zu werten, weil er aus dem Tohuwabohu des Ostens einige Pfunde gerettet hat. Man ist damit noch kein Kapitalist, man ist damit noch kein Ausbeuter und man hat damit noch nicht das Recht verloren, Arbeit zu suchen und beim Suchen der Arbeit von uns, von der Gesamtorganisation, unterstützt zu werden (Zwischenrufe). 72