Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 76)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow der verwirklichten Vision. Es kommen eben Menschen nach Palästina und es werden immer mehr kommen und sie werden merken, daß ihnen ihre heiligen Orte heilig sind wie immer, umgeben mit derselben Glorie wie immer und daß die Juden, die dort leben und als Volk dort leben, so viel Verständnis für diese Gefühle haben wie die Juden in der Diaspora und vielleicht noch mehr. Daß die Besucher in ihre Heimat zurückkehren und diese Aufklärung unter die Völker bringen, das ist unsere Politik. Die dritte von den Quellen, die ich nannte, der dritte Faktor, mit dem wir uns zu beschäftigen haben, ist der Antisemitismus. Manche von den alten Zionisten werden sich erinnern, daß uns in den ersten Zeiten unserer Bewegung von gegnerischer Seite entgegengehalten wurde: Ihr werdet von den Antisemiten geradezu geliebt werden. Ihr, die Zionisten, macht das, was die Antisemiten wrollen; das hat man uns von jüdischer Seite entgegengehalten. Die Antisemiten seien ja gegen die Gleichberechtigung der Juden; wenn die Zionisten selber die Juden als Fremde hinstellten, so würden sie zum Schaden der Gleichberechtigung die Liebe der Antisemiten einheimsen. Nach vielen Jahren haben wir nun den 14. Kongreß erlebt, und nun haben Sie hier, in Wien, die Freundschaft der Antisemiten. Man muß verstehen, daß der Antisemitismus nicht ein Programm ist, das man zum Verschwinden bringen kann, indem die Juden so oder anders handeln. Sein Verschwinden hängt nicht davon ab, ob wir nach Palästina gehen oder hier bleiben. Glaubt man doch sogar, daß die Chaluzim nach Wien gekommen sind, um die Sümpfe in Wien trocken zu legen (Heiterkeit, Beifall). Das ist nicht lächerlich, aber belehrend, weil es etwas bestätigt, was wir Zionisten den Juden seit jeher gesagt haben. Das haben wir schon auf dem ersten und zweiten Kongreß ausgesprochen, und besonders in den Reden des Altmeisters Nordau ist dies zum Ausdruck gekommen. Der Antisemitismus wendet sich nicht gegen jüdische Eigenschaften, er ist gerichtet gegen die Existenz der Juden. Jetzt können wir als Zionisten feststellen, und nicht nur in Wien, daß 5 65