Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 75)
- Language
- German, English, Hebrew
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2. Sitzung: Politischer Bericht die Legende von der „Herrschaft der Juden in Palästina" verbreitete, entstand begreiflicherweise in gewissen Kreisen Unruhe, man fragte sich, ob es weiter möglich sein werde, in ungestörter Andacht diese Herzensfunktion an den heiligen Stätten befriedigen zu können. Groteske Legenden entstanden und bildeten den Untergrund einer gewissen öffentlichen Meinung, die sich in manchen Ländern, zum Beispiel in England, zu parlamentarischen Interpellationen verdichtete. Was haben wir gegen die Existenz solcher gegen uns gerichteten Kräfte zu tun? Wir haben mit dem alten liberalen jüdischen System der Apologetik gebrochen. Wir sind nach vielen Jahren vergeblicher Mühe zur Ueberzeugung gekommen: je mehr man apologetisch schreibt, desto mehr reizt man den Gegner zu neuen Angriffen. So kommt man nicht weiter. Weiterkommen kann man nur durch Tatsachen, und diese Tatsachen müssen vor aller Augen gestellt werden. Das aber kann nicht künstlich und nicht auf Bestellung gemacht werden, sondern nur auf natürlichem Wege, und hier freilich kann es nur sozusagen beiläufig, nebenbei geschehen. Das ist der Sinn derjenigen Tatsache, von der schon Präsident Weizmann gesprochen hat und deren Bedeutung in der Beiläufigkeit besteht. Wir haben doch nicht eine Universität auf dem Skopus eröffnet und die zivilisierte Welt dazu eingeladen, um ihr apologetische Reden zu halten oder ihr eine Stunde Anschaungsunterricht zu geben. Wir haben eine Universität eröffnet, weil wir sie brauchen. Und wir haben die Vertreter der Weltkultur eingeladen, weil man eben, wenn man ein neues Kulturinstitut schafft, in Verbindung treten will mit den Vertretern anderer Kulturen. Und so wurde von selbst auf dem Skopus jenes prophetische Bild antizipiert, daß nun die Zeit gekommen sei, von der Jesaja gesagt hat: „Sie werden herauf - kommen". Als man da oben stand und den Ausblick hatte auf die tiefer unten liegenden Wege in Jerusalem und immer neue Gruppen heraufkommen sah und unter ihnen die Vertreter der Nationen — da sah man wohl den Anfang 64