Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 74)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow gibt eine andere politische Auffassung, die vom Prinzip des Mandates abgehen und gleich selbständige Staaten bilden will. Und hier müssen wir als interessierter Faktor ein Programm haben, aus dem die Richtlinien für unsere Politik abgeleitet werden können. Die zivilisierte Welt, vertreten bei der Gründung des Völkerbundes, stellte sich auf den Standpunkt, daß Staatsgebilde, die noch nicht für eine selbständige staatliche Existenz mit allen zugehörigen Akzessorien geeignet sind, unter die wohlwollende Tutelage von Großmächten gestellt werden sollen. Die Großmächte sollen in wohlwollender Weise die ihnen zugewiesenen Mandatsländer verwalten, bis sie für eine selbständige Existenz reif geworden seien, und diese Grundlage der Mandatsidee erkennen auch wir an. Die mehr oder weniger turbulenten Sonderunternehmungen mancher Völker des Orients beschleunigen nicht diesen Prozeß, sondern halten ihn auf. Auch wir teilen die Ansicht dieser Völker über das Endziel der Entwicklung, die freie Selbständigkeit. Und wir gehen mit den friedliebenden Elementen im Osten zusammen, aber wir wissen, daß vor der Erreichung jenes Zieles die Beziehungen zwischen den Völkern besser geworden, der Frieden gesichert sein muß. Das ist die Politik und der Wunsch des Völkerbundes und das soll auch unsere Politik sein, die von jedem Kongreß festgestellt werden muß. Als zweite Quelle der Schwierigkeit unseres Weges bezeichnete ich das religiöse Vorurteil. Man denkt hier gewöhnlich nur an eine Religionsgemeinschaft und man belastet nur das Konto der Katholiken. Ich will ausführlich über diesen Punkt sprechen. Ich bin den Verzweigungen dieses Vorurteiles bis zu ihrem Ursprung nachgegangen und habe herausgefunden, daß neben den vielen Uebertreibungen und Mißdarstellungen noch etwas existiert, was an sich vielleicht verständlich ist. Man ist unsertwegen unruhig. Palästina wird ja als heiliges Land nicht nur in der Theorie betrachtet, sondern auch in der Praxis. Nach Palästina gehen Pilger, um die heiligen Gräber und Kirchen zu besuchen, um dort zu beten. Als sich 63