Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 44)
- Language
- German, English, Hebrew
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Chajes hältnis zur Judenfrage maßgebend ist, so müssen wir feststellen, daß in den letzten drei Jahrzehnten die Menschheit einen ungeheuren Fortschritt von der Frage zum Problem gemacht hat. Heute brauchen wir nicht mit platten Nützlichkeitsgründen zu kommen, heute gibt es Menschen, die es verstehen, daß wir etwas zur Erlösung der Menschheit beitragen wollen. Jeder von uns hier hat ein Interesse daran, daß Juden in produktive Berufe übergeführt werden. Aber würde es sich nur darum handeln, wäre es nur ein innerjüdisches Interesse — viele unter uns, und nicht die schlechtesten, würden sicher nicht ihr ganzes Leben, ihre ganze Kraft, jede Stunde ihrer Tage und jeden Tropfen ihres Blutes dieser Aufgabe widmen. Seit Jahrtausenden leben wir mit allen Völkern in allen Ländern. Seit Jahrtausenden, seit unserem Eintritt in die Geschichte, denken unsere Besten, daß es unsere Aufgabe ist, der Erlösung der Menschheit zu dienen. Es ist ganz gleichgütlig, ob sie der Ansicht sind, daß wir tatsächlich ein auserwähltes Volk sind; aber fest steht, daß wir seit Jahrtausenden diesen festen Glauben haben und darauf unsere Geschichte und unser Sein gestellt haben. Deswegen ist es für uns nicht möglich, einer Sache unsere ganze Kraft und unser ganzes Leben zu widmen, wenn es sich nur um ein Interesse der jüdischen Menschen handeln sollte. Wir können unsere Aufgabe nicht trennen von der Aufgabe der Menschheit. Und wenn wir sagen, wir wollen dem Volke zu seiner Erlösung verhelfen, so heißt das für uns: wir wollen unseren Beitrag leisten zur Erlösung der Menschheit. Seit Jahren bemühe ich mich, für das, was unser Volk in diesem höchsten Sinn in Palästina sucht, eine Formel zu finden. Und ich glaube, sie darin gefunden zu haben: wir suchen unseren „archimedischen Punkt". Gestatten Sie, daß ich Ihnen diese Formel erkläre. Ein jedes Volk, mit Ausnahme des jüdischen, hat diesen archimedischen Punkt. Ein jedes Volk ist in sich verankert, kennt sich und weiß, wie es von sich aus, von seinem Punkt aus, die Welt nach seinen Kräften wenig 3 33