Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 43)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--5742-3481888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/. Sitzung: Eröffnung Probleme, und heillose Angst vor Problemen hatten. Es ist für uns ein bedrückendes Gefühl, wenn wir in dem merkwürdigsten Dokument, das eine Volksbewegung je besaß, in den Tagebüchern Herzls, lesen, wie er zu den führenden Männern seiner Zeit sprechen mußte, um ihnen begreiflich zu machen, daß der Zionismus im Interesse ihrer Völker liege, im gewöhnlichsten materiellem Interesse. Sprach er zum Sultan, so mußte er ihm sagen, die Finanzen der Türkei würden saniert werden, und sprach er mit den Ministern des Kaisers von Rußland, so mußte er darauf hinweisen, die Unterstützung der zionistischen Bewegung von Seiten der russischen Regierung würde ihr dazu verhelfen, daß weniger Juden sich der Revolution zuwenden würden. Und sprach er mit dem deutschen Kaiser, so mußte er ihn aufmerksam machen, daß das zum Teile deutschsprechende jüdische Volk zur Hebung des deutschen Einflusses und Prestiges im Orient beitragen würde. So mußte man vor dreißig Jahren zu den führenden Männern sprechen, so klein, so kindlich war die Menschheit vor dreißig Jahren. Jeder von uns weiß, welche Fortschritte die Technik im letzten Jahrhundert gemacht und wie sie das Antlitz der Erde verändert hat. Jeder von uns weiß aber, daß der größte Teil der Menschheit von diesen Errungenschaften keinen Gebrauch machen kann — und doch weiß man, wie entscheidend diese Veränderung die Welt beeinflußt hat. Trotzdem versteht man nicht zur Genüge, welchen Fortschritt die Menschheit in den letzten Jahren gemacht hat. Man hat es nicht verstanden, was an dem Vorschlag Wilsons lag, bei der Friedenskonferenz zum erstenmal nicht nur vom Länderschacher zu sprechen, sondern auch vom Völkerbund und von den höchsten Gedanken der Demokratie. Es ist ganz gleichgültig, wie viel davon Wirklichkeit geworden ist, es ist aber nicht gleichgültig, daß zum ersten Male nach einem Krieg solche Gedanken in die Diskussion der Völker getragen wurden. Verstehen Sie wohl, wir sehen gewöhnlich eben nur Fragen, nicht Probleme. Und wenn wir sagten, daß für die Beurteilung eines Volkes sein Ver- 32