Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1926-01-01 · 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925 · p. Seite 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
Date
1926-01-01
Page
Seite 31 (sequence 42)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476282--5741-3481887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ehrlich, Chajes die Kultur der Völker ihr Verhältnis zum Judentum ist. Und wenige von uns und wenige Menschen überhaupt verstehen, wie stark in diesen wenigen Jahrzehnten die Entwicklung der Menscheit fortgeschritten ist. Wenn man die Kultur eines Volkes einschätzen will, so kann man sie nicht einschätzen nach der Menge der Analphabeten dieses Volkes. Die größten Kulturschöpfungen der Menschheit, bei den Aegyptern, beim Judenvolk, bei den Griechen und bei allen Völkern des Altertums, gingen vor sich zu einer Zeit, als die Zahl der Analphabeten ungleich größer war als zu unserer Zeit. Will man den Kulturgrad eines Volkes einschätzen, so ist Goethe maßgebend, nicht die große oder geringe Anzahl von Analphabeten. So ist Tolstoj maßgebend oder Romain Rolland. Ich sage das, weil ich Ihre Antwort voraussehe. Haben sich wirklich im Verhältnis der Völker zu den Juden Besserungen ergeben? Gibt es nicht heute noch so viele unter den Nichtjuden, die genau so wie vor einem Jahrhundert und vor vielen Jahrhunderten an alles glauben, was ihnen die Phantasie von den Juden erzählt: an den Ritualmord, an die Weisen von Zion — und genau so wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten „Nieder mit den Juden!" rufen? Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, daß wir seit Jahrhunderten heute zum erstenmal führende Geister sehen, die das Judentum und die vom Zionismus vorgeschlagene Lösung der Judenfrage als Weltproblem ansehen. Wenn Menschen wie Lord Balfour, Lord Cecil und viele andere, in den Vereinigten Staaten, in Frankreich und auch in Deutschland, sagen, daß neben dem Gedanken des Völkerbundes der größte Gewinn der Menschheit nach dem Kriege die geplante Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina war, so ist das maßgebend für die Wandlung, die in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen ist. Als Herzl mit seiner Lösung vor die Oeffentlichkeit trat, da mußte er mit Völkern und Regierungen verhandeln, die nur Fragen kannten und nur sozusagen auf der Hand liegende Fragen zu lösen verstanden, keine 31

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.