Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 503 (sequence 526)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476280--5634-3481779- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1. Der Zionistenkongress begrüsst mit freudiger Genugtuung, dass die im Völkerbund vereinigte Gemeinschalt der Völker in dem von ihm bestätigten Mandat über Palästina die unzerstörbare historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina und die Ansprüche des jüdischen Volkes auf seine nationale Heimstätte und ein freies Volksleben in diesem Lande seiner Vergangenheit und seiner grossen geistigen Schöpfungen anerkannt hat. In der grossen Krise der heutigen Welt, die das jüdische Volk schwer getroffen und seine ganze bisherige Diaspora-Existenz ins Wanken gebracht hat, ist die Lösung der Judenfrage eines der kategorischen Gebote der Gerechtigkeit und eine Vorbedingung der Konsolidierung der Welt im Zeichen des friedlichen Zusammenwirkens der Völker. Der Zionistenkongress sieht im Erwachen des Orients einen der wichtigsten Faktoren des Neuaufbaues der Welt. Das jüdische Volk, das sein nationales Heim wieder aufzubauen beginnt, ist entschlossen, sich mit allen seinen geistigen, moralischen und materiellen Kräften in diese heute noch im Werden begriffene, aber an Energien und Möglichkeiten reiche Welt einzugliedern und als Gleiches unter Gleichen mit den Völkern, die seine Schicksalsgenossen sind, und in enger Verbindung und unter Herstellung einer fruchtbaren Interessenharmonie zusammenzuarbeiten. Der Zionistenkongress stellt fest, dass Palästina durch die historischen Bande, durch den Volkswillen zur Rückkehr, durch die Arbeit im Lande und nunmehr auch durch die internationale Anerkennung eine Sonderstellung als das Land der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes einnimmt. Der Zionistenkongress wiederholt seine Erklärung, dass unter allen Umständen die Rechte aller Gemeinschaften in Palästina gleich heilig sind und bleiben werden. Das jüdische Volk, das unter den schwersten äusseren und inneren Bedingungen in diesen Tagen allmählich zu neuem produktiven Leben erwacht, wird durch sein nationales Heim in Palästina zur vollen Entfaltung seiner Kräfte im Dienste des kulturellen Aufstieges der Menschheit gelangen und ein Faktor sein, der den verwandten Völkern bei ihrer Neugestaltung aktiven Beistand leihen kann. Der Zionistenkongress erwartet, dass auch das arabische Volk, das weite Territorien ausserhalb Palästinas zur Verfügung hat, auf denen sich seine nationale Wiedergeburt vollzieht, mit wachsendem Verständnis die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes, das gewillt ist, mit den Arabern in Palästina in vollster Harmonie und Eintracht zu leben, als positiven und wertvollen Faktor des Nahen Orients anerkennen wird. Das jüdische Volk hat durch die aufopfernde Arbeit seiner Pioniere im Lande und Beistellung grosser Mittel den Beweis erbracht, dass es entschlossen ist, sich für die historische Aufgabe seiner Selbstbefreiung voll einzusetzen, und es wird auch fernerhin zu grossen Opfern bereit sein. Das jüdische Volk erwartet von der ganzen zivilisierten Welt Verständnis für die menschliche Grösse und politische Notwendigkeit des Zionismus und tatkräftigste Unterstützung in dem schweren Kampf zur Ueberwindung der gewaltigen Schwierigkeiten, die der Ausführung dieses grossen Werkes entgegenstehen. Die Exekutive wird aufgefordert, durch zielbewusste, organisierte Arbeit auf die ununterbrochene Aufklärung der öffentlichen Meinung aller Völker über die politischen und menschlichen Endziele unserer Bewegung hinzuwirken und insbesondere die Aufklärungsarbeit im Nahen Orient und unter dem arabischen Volke systematisch und beharrlich fortzuführen. 503