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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1924-01-01 · 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923 · p. Seite 347

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
Date
1924-01-01
Page
Seite 347 (sequence 370)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476280--5478-3481623
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einem gewissen Gefühl der Trauer und Bedrücktheit verlassen habe. Es ist ganz klar, wir sind auf dem Wege, ein Parlament zu werden, und wir fügen uns natürlich den parlamentarischen Sitten gerne. Aber wir sdnd schliesslich doch ein Parlament sui generis — nicht nur deswegen allein, weil wtir interterritorial sind, sondern auch deswegen, weil wir ja nur einmal in zwei Jahren für wenige Tage zusammenkommen, — und ich meine, alles, was die Parlamente mit alten Traditionen zu tun haben, müssen wir vielleicht nicht übernehmen. Was man in Parlamenten so häufig vermisst, ist der Ton der reinen Menschlichkeit. Es gibt Kämpfe, es gibt Leidenschaften in Parlamenten, auch Kämpfe persönlicher Natur, aber diese Kämpfe und Leidenschaften tragen vornehmlich einen politischen und keinen menschlichen Charakter. In der Resolution, die gestern von der grossen Mehrheit der Abstimmenden angenommen wurde, war wahrscheinlich jedes Wort genau geprüft. Es entsprach alles ganz genau den parlamentarischen Bräuchen und Uebungen. Aber eines hat mir gefehlt in einem jüdischen Parlament: der Ton der reinen Menschlichkeit. Es gibt wohl in Europa kein Kabinett, das seit dem Kriege und in den schrecklichen Nachkriegsjahren seine Arbeit ohne Unterbrechung erfüllt hätte. Wir haben in der Leitung des Zionismus Männer, die ununterbrochen seit Kriegsbeginn und bis auf den heutigen Tag ihre beste Kraft — und nicht nur relativ ihre beste, es ist auch eine gute Kraft — in den Dienst unserer Bewegung stellten. Gewiss, es ist das Recht des Parlaments, Kritik zu üben. Aber ich meine, das jüdische Parlament darf darüber nicht das persönliche Verhältnils vergessen; es darf nicht vergessen, dass es sich hier um Menschen handelt, um Menschen, die ihr Herzblut opfern, und da darf man nicht jedes Wort unterdrücken, das eben nicht rein parlamentarisch ist, das wohl herzlich und menschlich ist. Wir haben in den letzten Wochen innerhalb der zionistischen Bewegung schwere sachliche Kämpfe und Auseinandersetzungen gehabt. Darüber wollen wiir nicht klagen. Es ist mit ein Zeichen des in uns erwachenden Gefühles der Verantwortung. Es sind in diese Kämpfe Missverständnisse hineingetragen worden, der Kampf ist zum Teil ein persönlicher geworden. (Widerspruch.) Ich freue mich, dass Sie dies in Abrede stellen. Ich freue mich, um der Ehre und des Interesses unserer' Bewegung wällen. Aber der Kampf war ein scharfer, und dass in den Kampf auch Missverständnisse hineingetragen worden sind, behaupte ich mit aller Bestimmtheit. In den Mittelpunkt dieses Kampfes wurde der Mann gestellt, der im Mittelpunkt unserer Bewegung steht: Professor Dr. Chaim Weizmann. (Lebhafter Beifall.) Er wurde in den Mittelpunkt dieses Kampfes gestellt, gerade als er aus Amerika zurückkam, wo er — ich denke, das geben alle zu — gute Arbeit für unsere Bewegung geleistet hat. Und diese gute Arbeit besteht nicht nur darin, dass er die Mittel aufgebracht hat, die unser Werk in Palästina vor einer einschneidenden, vor uns stehenden Katastrophe bewahrt haben, sondern auch darin, dass er uns neue Hoffnungen für eine ruhige Entwicklung in unserem Lande gebracht hat. Durch Missverständnisse, wohl auch durah andere Gründe rein sachlicher Natur ist Professor Weizmann in den Mittelpunkt des Kampfes gestellt worden- Gestern, als die Abstimmung erfolgte, nicht nur über seine Tätigkeit, sondern auch über die Tätigkeit seiner Mitarbeiter, da fehlte jedes W^ort der Herzlichkeit und der reinen Menschlichkeit. Darum halten es die Vereinigten Landsmannschaften für ihre Pflicht und haben mich ersucht, es in ihrem Namen zu tun, folgende Erklärung — die an Professor Weizmann gerichtet ist, weil er im Mittelpunkt des Kampfes steht, — Ihnen zur Kenntnis zu bringen (liest): ilm Namen der Vereinigten Landsmannschatten, denen sich die zionistischen Landesverbände von Amerika, England, Polen, Oesterreich, Deutschland, Rumänien, Ost- und WestgaMzien, Tschechoslowakei, Canada 347

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