Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 353)
- Language
- German, English, Hebrew
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den letzten Jahren verstehen und richtig abschätzen zu können, müssen wir inidht nur die ewig e n, sondern auch die vorübergehenden Faktoren dieser Bewegung berücksichtigen. Denn es gibt auch zeitweilige Erscheinungen, die die Chaluzbewegung im Laufe der letzten Jahre gefördert haben und die sich nicht wiederholen werden, ja, die sich nicht wiederholen sollen. Kaum eine andere Bewegung im Judentum stand so unter dem Eindruck des furchtbaren Unheils, das in den letzten Jahren über das jüdische Volk hereingebrochen ist, wie die Hechaluzbewegung. Diesen jungen Männern und Frauen tat sich der A bg r u n d des jüdischen G a 1 u t h in seiner ganzen Tiefe auf, und ihre Seele erzitterte in Trotz und Ungeduld. Der hebräische Schriftsteller Drujanow hat vor kurzem ein Sammelbudh der Dokumente und Aufzeichnungen der Zeugen der fürchterlichen Ereignisse in der Ukraine herausgegeben, Aufzeichnungen von Personen, welche diese Ereignisse miterlebt und unter ihnen gelitten haben, und es ist bezeichnend, dass der grösste Teil dieser Eindrücke in Palästina geschrieben ist von Leuten, die sich heute im Chaluzlager befinden. Die Brüder wurden in Proskurow und Smila dahingeschlachtet, der Gerettete entrann nach Palästina und baute Ein-Gharod und Tel-Josef. In unmittelbarer Weise hat sich die Quelle dex^ Pein und des unbeschreiblichen Leidens in einen Strom hartnäckig schöpferischer Aufbaukraft gewandelt. Dies äst das Mysterium, dessen Beginn im Jammertale der Pogromstädte und dessen Ende in den Kwuzo'th und Arbeitsbataillonen Samariens und Galiläas liegen und das einen integralen Teil der heutigen Chaluzbewegung ausmacht. Wenn wir aber nichts tun werden, damit die Hartnäckigkeit und der Pioniergeist, die aus unserer Trauer und unserer Schande hervorgewachsen sind, den Segen bringen, den sie in sich tragen, so sind wir auch nicht der Leiden würdig, die über uns ergangen sind. Und daneben gab es ein zweites Moment, welches auf die Chaluzbewegung der letzten Jahre von Einfluss war. Unsere Generation war Zeuge nicht nur unseres jüdischen Unglücks, sondern auch der grossen sozialen E r s c h ü 11 e r u n g, welche die wirtschaftlichen Grundlagen gerade der Länder ins Wanken .brachte, in denen die Mehrheit der jüdischen Voliksmasse lebt. Gerade auf diesen alten, in Verfall geratenen Grundlagen war die jüdische Oekonomik der Stadt und des Städtchens aufgebaut. Auf einmal wurde es der jungen Generation offenbar, dass ein Leben wertlos ist, das auf Luft, auf fremder Arbeit oder gar keiner Arbeit begründet ist. Der Protestieren das bisherige Leben und die Unsicherheit der Existenz haben sich vereinigt, um die Umkehr izu bewirken zu einem anders gearteten Leben. Das, was die Maskilim und; die Gleich'bereehtigungskämpfer jahrelang ge- 330