Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 343)
- Language
- German, English, Hebrew
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nicht lohnte, Staatseigentum Hieben. Tatsache ist es, dass die jetzigen Staatsböden, soweit sie aus Sanddünen oder kahlen Gebirgen bestehen, überhaupt nicht mit Aussticht auf Rentabilität bearbeitet werden können, und soweit sie aus Sumpfböden bestehen, nur dann, wenn für die Austrocknung der Sümpfe grosse Summen ausgegeben werden. Ich habe in einem Falle, wo kürzlich von der Regierung ein grösseres Gebiet solchen Sumpfbodens übergeben wurde, festgestellt, dass die Kosten der Ameliorationsarbeiten für dieses Gebiet mindestens ebenso hoch und wahrscheinlich höher sein werden, als der Preis für guten Boden, den man aus privater Hand kauft. loh möchte davor warnen, dass wir zu dieser Illusion der Staatsländereien nun eine zweite Illusion hinzufügen, nämlich, dass es uns gelingen wird, Böden aus privater Hand in Zukunft billiger als heute zu kaufen. Die Vertreter dieser Ansicht stützen sich auf die Behauptung, dass es ausser den Juden keine anderen Käufer für Boden in Palästina »gebe und dass der palästinensische Boden gar keine oder eine sehr niedrige Rente abwerfe. Hier liegt ein Irrtum vor. Der palästinensische Boden liefert zwar dem jüdischen Ansiedler noch keinen oder nur einen sehr geringen Reinertrag, aber der (Ertrags wert richtet sich nicht nach den paar tausend jüdischen Ansiedlern, sondern nach den hunderttausenden arabischen Fellachen. Der arabische Grossgrundbesitzer kann für guten Boden jederzeit arabische Pächter finden, die ihm den <.Hums", d. h. den fünften Teil des Bruttoertrages, als Pacht zu zahlen bereit sind. Das bedeutet, wie ich mich an vielen konkreten Beispielen überzeugt habe, immerhin eine Verzinsung mit 5 Prozent und mehr. Da der arabische Kapitalist (immer noch die Anlage seines Vermögens in Boden jeder anderen Anlage vorzieht, so ist dieser Zinsertrag für ihn nicht unbefriedigend. Es ist auch nicht richtig, dass nur die Juden Boden kaufen. Aus dem letzten Jahresbericht der Regierung geht hervor, dass ein gar nicht unbeträchtlicher Teil aller Bodeniverkäufe an arabische Käufer erfolgt ist. Und wir selbst haben, als wir vor kurzem zur Arrondierung einer Kolonie den geforderten Preis nicht zahlen wollten, erlebt, dass der Boden von einem arabischen Effendi zu diesem Preise gekauft wurde. Der H a u p t i< r r t u m der Verfechter der Theorie der zukünftigen billigen Bodenpreise liegt aber wahrscheinlich darin, dass sie sich den Grundstückmarkt in Palästina in der Art des europäischen Grundstücfcmarktes vorstellen; d. h. so, dass jedes Grundstück zum Verkaufe feil ist und einen vom Ertragswert bestimmten Preis hat. Das ist ganz falsch. Grundstücke in Palästina in arabischer Hand sind nicht ohne weiters zum Verkaufe im Markte. Ein arabischer Grossgrundbesitzer trennt sich nicht von seinem Grundstück, weil er mit dem Erlös irgend eine andere, bessere Kapitals- 320