Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 342)
- Language
- German, English, Hebrew
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nehmen wird. Wir sollen 'zwar nicht müde werden, eine Aenderung und Besserung zu fordern, sollen ^aber nicht verzweifeln, wenn der Fortschritt nur langsam ist. Den 'Fehlern stehen grosse Vorzüge 'gegenüber und im ganzen haben wir alle Ursache, auf diese Jugend stolz zu sein. Aber sie ist nicht ein leicht formbarer Ton; sie ist vielmehr ein sprödes Material, das leicht zerbricht, wenn es nicht vorsichtig angefasst wird. De Lieme 'bekämpft in seiner 'Broschüre, dass wir dem landwirtschaftlichen Ansiedler das „f u 11 e q u i p rn e n t" geben, so wie er es schon in dem Bericht der Reorganisationskommission vor zwei Jahren getan hat. Wenn geeignete Ansiedler mit einigen Mitteln vorhanden sind, iziehen wir sie sehr gerne Unbemittelten vor. Aber leider gibt es nur sehr wenige Bemittelte und bei diesen wenigen ist es gewöhnlich so, dass, je mehr Mittel sie haben, umsoweniger landwirtschaftliche Vorbildung und Eignung und umsoweniger Neigung zu schwerer körperlicher Arbeit vorhanden ist. Das ist für den schliesslichen Erfolg der Kolonisation ein grösseres Minus als das eigene Kapital an Plus bedeutet. Der Unterschied zwischen jenem, der ein Programm für die Arbeit in Palästina aufstellt, und dem, der die Arbeit in Palästina führt, ist der zwischen Zeichner und Erbauer. Die Arbeit am Zeichenbrett ist leichter als die Arbeit beim Bau. Aber dafür ist das Resultat im ersten Fall eine Zeichnung, im zweiten ein Haus. Ich kann also in diesem Fall wie in manchem anderen das Programm von de Lieme nicht akzeptieren. Aber ich würde der Zionistischen Organisation vorschlagen, Herrn de Lieme mit seinem Programm zu akzeptieren, weil ich überzeugt bin, dass er, wenn er in Palästina ist, sich von der Wirklichkeit korrigieren lässt und sie nicht in das Prokrustesbett seiner Theorie zwängen wird. Ich möchte auch einige Worte über unsere Bodenkaufspolitik sagen. Vor einigen Jahren lebten wir -mit dem Oedanken, dass wir unseren Bedarf an Boden izum grossen Teile durch die Ueberweisung von Staatsländereien seitens der Regierung würden decken können. Ich habe dies schon damals als eine Illusion bezeichnet und die Ereignisse haben mir recht 'gegeben. Die Staatsländereien in Palästina sind, mit Ausnahme der sogenannten Dschiflikböden im Jordantale, die früher Privatbesitz des Sultans waren und mit Pächtern stark besiedelt sind, durchwegs Ländereien niedrigster Qualität: Gebirge, Sanddünen oder Sümpfe. Sie müssen nämlich verstehen, dass Staatsländerefien in Palästina nur diejenigen Ländereien sein können, die entweder niemals bearbeitet waren, oder die drei Jahre lang unbearbeitet geblieben waren. Jedermann in Palästina hatte unter türkischem. Regime »das Recht, jungfräulichen Boden dadurch zu erwerben, dass er ihn in Bearbeitung nahm. Sie werden leichtbegreifen, dass infolge dieser Bestimmung nur die 'minderwertigsten Böden, deren Bearbeitung 319