Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 324)
- Language
- German, English, Hebrew
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•*5 wohl nicht durch Reden auf dieser Tribüne, sondern, wie leider alles, bei uns, hinter den Kulissen abgemacht werden. Ich halte es aber für meine Pflicht, hier vor dem Konfresse meine Stellung zu dieser Frage zu beleuchten. In dem Streit über die Jewish Agency hat man vergessen, dass man sich noch nicht darüber klar ist, worüber eigentlich gestritten wird. Was ist die Jewish Agency? Darauf wird man wohl kaum eine klare Antwort erhalten. Jeder legt in das Wort etwas anderes hinein. Sdbst in. der letzten Sitzung des A. C. vor zwei Monaten gab es schon verschiedene Meinungen über diese neue Institution mit dem modernen Namen. Ich will nun meine Meinung sagen, wie ich die Aufgaben und Funktionen dieser Institution mit dem englischen Namen verstehe. Wir streben jetzt eine Erneuerung unserer Kräfte und eine Vergrösserung unserer Energie an. Wir wollen auf zwei Gebieten stärker werden: auf dem Gebiete der politischen Arbeit, zur Verstärkung unserer politischen Situation im Lande, und auf wirtschaftlichem Gebiete, zur Verstärkung unserer finanziellen Kräfte. Gewiss, diese beiden Aufgaben stehen in enger Verbindung. Je stärker wir in unserer politischen Arbeit sind, desto leichter wird unsere ökonomische Arbeit sein. Je stärker umgekehrt die ökonomische Arbeit ist, desto leichter wird unsere politische Arbeit sein. Es sind aber dennoch zwei gesonderte Aufgaben, und dazu braucht man zwei verschiedene Sorten von Menschen.» Die Jewish Agency soll nun nach meiner Ueberzeugung — und dieselbe Ansicht habe ich von unserem Präsidenten S o k o 1 o w in Berlin gehört — die erste Aufgabe, das heisst die p o 1 i t i s$ h e Repräsentation gegenüber der englischen Regierung im Namen derjenigen, die das Land bauen, auf sich nehmen. Die Agency ist keine Institution für ökonomische Arbeit, sie ist keine Bank, kein Keren Hajessod, kein Keren Kajemeth, keine andere Institution wirtschaftlichen Charakters, sondern eine politische Repräsentation, mit der sich die englische Regierung bespricht, um daraus Konsequenzen bezüglich verschiedener Formen des Aufbaues des Landes zu ziehen. Durch die Verquickung dieser beiden Aufgaben ist die Verwirrung geschaffen worden. Wir streben darnach, neue Kräfte zu gewinnen, um den ganzen Masstab unserer Arbeit zu vergrössern und in erster Linie neue ökonomische Kräfte zu finden, um unsere politische Situation zu verstärken. Ich stelle mir nun die Frage: Werden die Kräfte, die man in dieser oder jener Form in die Jewish Agency aufnehmen will, unsere finanziellen Mittel und unsere wirtschaftliche Arbeit stärken? Darauf antworte ich klar und deutlich: Nein. Für den Aufbau Erez Israels gibt es wohl Elemente, die nicht in der Zionistischen Organisation stehen. Diese Elemente, die schon etwas für Erez Israel geleistet haben, wollen g a r n i c h t in die Jewish Agency gehen. Einer unserer besten und grössten Arbeiter, Baron Edmond Rothschild, will nicht in die Jewish Agency gehen. Weder er noch sein Sohn. Seit zwei Jahren unterhandelt man mit ihm. Man hat ihm die besten Bedingungen gestellt, er hätte Präsident der Jewish •>Agency sein sollen — er war nicht dazu zu bewegen. Er sagt: Ich baue das Land, die Repräsentanz soll bei der Zionistischen Organisation sein. Zum Bauen des Landes muss ich kein Mitglied der Jewish Agency sein. Es gibt noch eine Gesellschaft, das ist die IC A. Sie arbeitet im Lande. Auch sie will nicht in die Jewish Agency gehen. * Man hat mit ihr geredet und hat eine negative Antwort bekommen. Der Joint, der auf wirtschaftlichem Gebiete arbeitet, hat, soviel mir bekannt ist, nicht die Absicht, in der Agency sich vertreten zu lassen. (Widerspruch.) Auch die A11 i a n c e i s r a e 1 i t e, die dort arbeitet — nicht auf ökonomischem Gebiete, sondern auf kulturellem, — will nicht in der Jewish Agency vertreten sein. (Widerspruch.) Sogar einzelne Personen, vor allem ein Jude in Bagdad, der 40.000 Pfund für den Nationalfonds gegeben hat, sowie ein anderer, der bis heute 100.000 Pfund für die 301