Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 323)
- Language
- German, English, Hebrew
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. .« Belegierter Leon Levite (fortsetzend): Dann kommt die zweite Frage. Die Weltkonferenz ist unnötig und unmöglich. Nun kommt Herr Dr. Soloweitschik und stellt ein Gebäude von drei Stockwerken auf. Wir sind damit mehr oder weniger einverstanden, aber für uns genügt einstweilen eine provisorische Form und eine provisorische Verständigung, und wenn dazu noch die Notwendigkeit der Ratifizierung durch die Jahreskonferenz kommt, so fürchte ich nicht, dass solche Menschen kommen könnten, die über uns regieren werden. Herr Dr. Soloweitschik stellt noch eine Bedingung, dass die Vertreter der Judenheiten aller Länder als Weltkönferenz zusammenkommen, aber das Mandat dazu nicht von den einzelnen Ländern, sondern von der ganzen Welt bekommen sollen. Glauben Sie, dass die englischen amerikanischen, französischen Juden auf diese Form eingehen werden? Herr Dr. Soloweitschik meint allerdings, dass diese Vertreter sich amalgamieren werden. Wir können sicher sein, dass die Exekutive alle diese Sachen in das rechte Geleise bringen wird; wir müssen es ihr überlassen, und entweder haben wir zu ihr Vertrauen und geben ihr bloss allgemeine Instruktionen, dann ist die Sache für mich persönlich erledigt, oder wir schaffen ein künstliches Gebäude und übergeben das weitere einer Kommission, dann, glaube ich, ist die ganze Sache begraben. Wir können es aber nicht zulassen, dass der erste Versuch, der jetzt von der amerikanischen Landsmannschaft und von Dr. W e i z m a n n gemacht worden ist, nicht zustande kommt. Wir müssen gewisse Kompromisse eingehen, natürlich nicht solche, die unsere elementaren zionistischen Ideale, unsere zionistische Weltanschauung untergraben; so viel Vertrauen müssen wir der Exekutive schon schenken. Ich resümiere: Sie müssen sich entweder auf eine allgemeine Form einigen, der Exekutive Vertrauen schenken und ihr die weitere Arbeit überlassen, oder es muss ein solches Provisorium geschaffen werden, das der erweiterten Agency die Möglichkeit gibt, nicht nur zu beraten, sondern auch mitzuarbeiten. Gebet den in die Jewish Agency aufzunehmenden Nichtzionisten dieselben Rechte wie den Mitgliedern der Exekutive und lasset sie zwei Jahre mitarbeiten. Daraus wird sich die weitere Form des Weltkongresses entwickeln. So gestellt, wird das Problem sicherlich gelöst werden können. (Beifall.) Mitglied der Exekutive M. M. Ussischkin (jüdisch): Man muss sich die Frage stellen: Wie kommt es, dass seit einem halben Jahre die ganze zionistische Welt von einer Frage beherrscht wird, die man eigentlich in einer halben Stunde entscheiden könnte? Seit einem halben Jahre interessiert sich die zionistische Welt weder für die politische, noch für die ökonomische, noch für die kulturelle Arbeit, sondern vertieft sich ausschliesslich in diese Frage. Ebenso ist es auf diesem Kongresse. Man kann von was immer reden, man findet kein Gehör. Nur wenn von der Jewish Agency die Rede ist, wird alles lebendig. In unserer, ganzen Organisation ist seit drei bis vier Jahren das instinktive Bestreben vorhanden, unsere Kräfte ^aufzufrischen.' Es ist dies ein Streben aller Parteien und Programme in* unserer Bewegung, das Streben, neue Menschen, neue Kräfte, neue Initiative und Energie zu sehen. Es gibt in unserer Leitung einige, die schon zu lange in der Sache stehen, und wenn man zu lange darin steht, dann fühlt man, dass es einem zuviel ist. Andere wieder haben nicht den Glauben, dass alles, was man sagt und tut, ernst und richtig ist. Ferner sind die Grenzen zu enge geworden und darum sucht man neue Kräfte. Nun ist von dem Manne, der an der Spitze der*, Bewegung steht, die Parole ausgegangen: Oeffnet die Tore. In dem grossen Streit und inmitten der Aufregungen hat man vergessen, richtig zu analysieren, ob der Weg, den man gehen will, zu dem Resultat führen wird, das alle erstreben, oder ob es nicht .zu einer grossen Enttäuschung kommen kann. Die ganze Frage wird 300