Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 321)
- Language
- German, English, Hebrew
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es gibt'noch andere Verantwortlichkeiten als die vor Organisationen. Es gibt eine gemeinsame Verantwortlichkeitsinstanz und diese ist die jüdische öffentliche Meinung. Sie würde uns alle wegfegen, wenn wir unserer Aufgabe nicht gerecht werden. Deshalb glaube ich, dass wir uns aus iler zionistischen Ehrlichkeit, aus der demokratischen Ehrlichkeit heraus für die Erweiterung der Jewish Agency entscheiden müssen. Das Volk, das im Galuth lebt, verlangt meines Erachtens Frieden. Wenn es den Kampf will, so ist der schönste Kampf, der möglich ist, der Kampf für c^en Frieden. Dieses Volk hat eine Front gebildet, als es galt, die gemeinsame Sache im Galuth zu verfechten. Es will umsomehr gemeinsam kämpfen, wo es gilt, Erez Israel aufzubauen. Die Wahlen in Polen sind der beste Beweis dafür, dass das jüdische Volk eine Einheit bilden will — viel mehr noch am Werke des Aufbaues von Erez Israel. Es kommt nur auf den Glauben an. Wenn Sie der Ansicht sind, dass wir durch Heranziehung von Personen, Organisationen und Korporationen Steine häufen, die das Werk des Aufbaues zerschmettern werden, dann dürfen Sie ruhig dagegen sein. Ich aber glaube, es sind Steine des Aufbaues, die den Bau des gemeinsamen Vaterlandes befestigen werden. (Beifall.) Delegierter Leon Levite (Polen, jüdisch): Geehrter Kongress! Der Referent Dr. S o 1 o w e i t s c h i k hat uns beruhigen wollen, indem er sagte, dass es weder in der Exekutive noch sonst unter den Zionisten Gegner der Erweiterung der Jewish Agency gebe. Der "Beweis dafür ist ihm nicht gelungen. Wir haben ja hier Herrn Grünbaum und andere Herren gehört, ebenso in einer Versammlung das Mitglied der Exekutive Herrn L i c h Mi e i m, Herrn M a r g u 1 i € s, Herrn Boruchow, Dr. G1 ü c k s o n und andere mehr. Richtig ist die Behauptung Dr. Soloweitschiks, dass man die Sache unnötigerweise aufgebauscht und zu einem Kampfobjekt gemacht hat, denn die Verhandlungen im Kongress und in den Kommissionen haben gezeigt, dass die Tendenz auf Verständigung gerichtet ist. Das konnte man voü&ussehen. Als wir, die Mehrheit der polnischen Landsmannschaft, darauf hingewiesen haben, dass es nicht nötig sei, schon im Lande selbst aus dieser Frage ein Kampfobjekt, ja sogar eine Kabinettsfrage zu machen, hat man uns entgegengehalten: Die Frage ist viel zu tief und wir unterscheiden uns zu sehr voneinander, um zu einer Verständigung zu kommen. Dasselbe hat man von Dr. W e i z m a n n, von den amerikanischen Resolutionen usw. behauptet. Glücklicherweise haben wir recht behalten und nicht die anderen. Wir haben vorausgesehen, dass, wenn wir zu einer gewissen Formulierung kommen, sich wahrscheinlich der grösste Teil einigen wird. Ich muss hier allerdings feststellen, dass der Unterschied wirklich sehr gross ist. Uns handelt es sich nicht um die Jewish Agency, wir verfolgen die Frage viel weiter: Wir denken an die Frage der Aenderung der Organisationsformen, die jetzt nichts taugen, an die Frage des Wechsels der Menschen und so weiter. Wir haben den Anfang, der von Dr. Weizmann in Amerika gemacht wurde, begrüsst. Vor drei Jahren, auf der Londoner Jahreskonferenz, haben wir uns Dr. Weizmann entgegengestellt; damals waren'wir die Oppositionellen, damals waren wir mit Dr. Weizmann unzufrieden. Glücklicherweise hat nach drei Jahren die Praxis Dr. Weizmann gezeigt, dass er auch zu den jüdischen Volksmassen gehen müsse. Und nicht, weil er früher an die jüdischen Massen gezweifelt hätte, hat er seine Meinung geändert, sondern weil er eingesehen hat, dass man beides machen kann. Wir können; sicher sein, dass jetzt eine neue Periode kommen wird, die uns zu anderen Resultaten bringen wird, nicht nur in bezug auf die Erweiterung der Jewish Agency. Grünbaum und andere Redner haben mit Windmühlen gekämpft, sie wollten uns einreden, dass wir gegen die Erweiterung gesprochen haben. Es ist wirklich lächerlich, mit solchen Argumenten zu operieren. 298