Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 320)
- Language
- German, English, Hebrew
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indes auf der Linie der normalen Entwicklung des Zionismus. Ebenso wie die Entwicklung des zionistischen Gedankens Hand in Hand geht mit der Entwicklung der Organisation, so ist andererseits der Fortschritt des Aufbaues in Erez Israel abhängig nicht bloss von dem Rahmen, den wir dem zionistischen und dem Palästina-Gedanken gegeben haben, sondern von der Entwicklung des freien Gedankens, des Gefühls für Palästina. Es geht nicht an, die Liebe für Palästina und die Aufbauarbeit in den Kreis der Organisation hineinzuzwängen. Es wird sich erweisen, dass der Inhalt die Form sprengen wird, dass die Liebe und der Gedanke stärker sind als der enge Rahmen. Nur wenn wir dieser Tatsache ins Auge sehen, können wir den Forderungen der Zeit und dem Geiste des wahren Zionismus gerecht werden. Wir werden ungerecht, wir werden der Idee, die wir lieben und grossgezogen haben, untreu, wenn wir uns von allen guten jüdischen Geistern, die für Palästina arbeiten wollen, wenn sie auch nicht in der Organisation vertreten sind, abgrenzen. Allerdings spielt hier auch die materielle Notwendigkeit eine Rolle. Die Zustände erheischen es, dass wir alle Kräfte, die ausserhalb der Organisation stehen, aber für Palästina ein Interesse haben, sammeln, dass wir sie zur Mitarbeit, ja sogar zur Mitdirigierung der Arbeit für Erez Israel heranziehen. Allerdings hört man von gewisser Seite, angesichts dieser materiellen Notwendigkeiten und des Elends in Palästina, den Ruf: Wir können warten! Allein, wer von uns hat die Berechtigung, im Namen der hungernden C h a 1 u z i m zu sagen: Wir können warten? Der Aufbau des Landes verlangt Opfer an Menschen, Kapital und Blut. Wir bedauern alle diejenigen, die ihren Schweiss und ihr Blut hergeben müssen,, aber wir wissen, es ist dies ein Gebot der Sache. Aber ebenso wie jeder Tropfen Blutes, der an den kahlen Felsen und auf den Fluren Palästinas vergossen wird, notwendig ist, wenn er durch die Zustände bedingt ist, ebenso fällt jeder Tropfen Blutes als schwere Anklage auf unser Haupt, wenn er deshalb vergossen wird, weil wir, statt alle Mittel in Bewegung zu setzen, um die Opier zu verringern, passiv zuschauen und $agen: Wir können warten. (Lebhafter Beifall.) Nun sagt man: Die Massen sollen kommen, es soll eine Volksbewegung sein. Wer hindert uns denn, in die Massen zu gehen, wer hat uns bis jetzt gehindert, die Massen aufzurütteln? (Beifall.) Die Massen haben nicht genügt, das Volk war nicht zahlreich und vielleicht auch nicht stark genug, um der grossen Aufgabe gerecht zu werden. Wenn wir das konstatieren, so sagt man uns: Ihr verbreitet Panik. Ich weiss nicht, ob das Konstatieren von Tatsachen Panik bedeutet. Ich weiss aber andererseits auch nicht, ob es richtig ist und nicht als Panik gelten muss, über den Verfall des jüdischen Geistes zu klagen, wenn man die Jewish Agency erweitern will. Ich weiss nicht, ob es angeht, dem einfachen zionistischen Manne zu sagen: Wenn die Jewish Agency erweitert wird, dann geht alles, was der Zionismus durch viele Jahrzehnte geleistet hat, in die Brüche; dann verfällt die zionistische Kultur, die jüdische Literatur, die zionistische Presse, der demokratische Geist; alles geht dann in Trümmer. Fürwahr, jeder von uns hat zuviel Achtung vor diesen grossen Schätzen des jüdischen Geistes, vor den zionistischen Errungenschaften, um zu glauben, dass durch die sogenannten Notabein das zertrümmert werden könnte, was jüdischer Geist und zionistische Arbeit durch Jahrzehnte geleistet und errungen haben. Man spricht von Verantwortung. Es gibt eine formale und eine tatsächliche Verantwortung. Verantwortungen sind konstitutionell verschieden festgelegt. loh hatte die Ehre, im „Comite des delegations juives" unter dem Vorsitze unseres Präsidenten S o k o 1 o w und des Herrn Marshall zu arbeiten. Dort war die Verantwortung geteilt. Marshall war vor einem anderen Komitee verantwortlich als unser Präsident. Wir haben aber dennoch nicht empfunden, dass die geteilte Verantwortlichkeit dem Tempo der Arbeit Abbruch getan hätte. Jedoch — 297