Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 319)
- Language
- German, English, Hebrew
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unsere Ueberzeugungen kämpfen werden. Meine Herren, nicht alle jüdischen Gemeinden sind gleicher Natur. Verschiedene Judenheiten haben verschiedene Traditionen und haben sich nach verschiedenen Richtungen hin assimiliert. Herr Grünbaum und seine Freunde leben in Verhältnissen, wo ungeheuer viel vom geschriebenen Worte, vom genauen Vertrage abhängt. Im jüdisch-polnischen Leben hat der genaue Wortlaut einer Abmachung die grösste Wichtigkeit. Im jüdisch-englischen oder jüdisch-amerikanischen öffentlichen Leben hat der genaue Text eines Vertrages nur eine geringe Bedeutung. In bezug auf Judenheiten, mit deren Verhältnissen wir englische Zionisten nicht vertraut sind, folgen wir gerne und vertrauensvoll den Meinungen der dortigen Zionisten. Aber wir verlangen, dass in bezug auf die Judenheiten, die Herr Grünbaum nicht kennt, man ein wenig dem Rate der dortigen Juden folgen soll. Meine Meinung ist also folgende: Den Verhältnissen jedes Landes entsprechend, die sehr genau von der neuen Leitung geprüft werden sollen, muss die Agency erweitert werden. Die allgemeinen Richtlinien sollen selbstverständlich hier vom Kongress vorgeschrieben werden. Die Einzelheiten aber, die Art und Weise, wie jede einzelne Judenheit behandelt wird, soll der Exekutive und dem A. C. überlassen werden. Wahrscheinlich werden die Herren der neuen Exekutive gute Zionisten sein und vielleicht auch vernünftige Leute. Diese Herreifj mögen unser Vertrauen mit sich nehmen und Einzelheiten ausarbeiten. Es mag wohl sein, dass jedes Kongressmitglied sich ebenso gut in der Theorie der Staatsverfassung auskennt als ein Mitglied der Exekutive. a Aber in der Formulierung eines Kompromisses — und jetzt handelt es sich nur um ein Kompromiss — braucht man ein „zad haschawe schebahen", und den genauen „zad haschawe schebahen" in einer Versammlung von dreihundert oder vierhundert Leuten zu machen, ist nicht sehr praktisch. Haben wir keine Angst. Defaitist ist, wer Furcht hat aus dem sicheren und engen Kreise seiner eigenen Freunde in die offene Welt der Allgemeinheit zu gehen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, •dass wir die Sieger sind. Wir ziehen die Nichtzionisten an uns heran. Mit jedem weiteren Jahre kann man eine Aenderung ihres Standpunktes konstatieren. Die Juden, die vor fünf Jahren zu Lord Beaverbrook gingen, schämen sich jetzt und haben Angst vor der jüdischen öffentlichen Meinung. Sie verleugnen, dass sie die Absicht hatten, deren man sie beschuldigt. Lassen Sie unsere Führer auf diese und andere Juden weiteren Einfluss ausüben, dann werden wir vorwärtsschreiten und das jüdische Volk wird zuerst nach uns und dann mit uns gehen. (Beifall.) Mitgliejl des A. C. Dr. Leon Reich (Ostgalizien; deutsch): Geehrter Kongress! Die ostgalizische Landsmannschaft hat gestern durch unseren Vertreter, den Herrn Ingenieur Landau, eine Deklaration zum Protokolle des Kongresses abgegeben, in der der Standpunkt unserer Landsmannschaft, die sich für einen Weltkongress und schon jetzt für eine Erweiterung der Jewish Agency erklärt, präzisiert wird. Wenn ich jetzt das Wort ergreife, um durch einige Bemerkungen die gestrigen Erklärungen zu ergänzen, so geschieht dies deshalb, weil ich bestätigen will, dass wir uns nicht nur für die Erweiterung vom Standpunkte der praktischen Notwendigkeit erklären, sondern auch vom Standpunkte der normalen Entwicklung des Zionismus. Ich behaupte also, dass wir für eine.Vergrösserung der Front nicht nur deshalb uns einsetzen müssen, weil wir die Situation heute kennen, sondern auch, weil wir gute Demokraten und gute Zionisten sind, uns eben deshalb für eine Erweiterung der Jewish Agency. erklären müssen. Der Umstand, dass die Debatte über diese Sache immer mehr abflaut, ist ein Beweis, dass die Frage künstlich zu einer gefahrvollen hinaufgeschraubt wurde, dass man künstlich von einer Gefahr des Verfalles der Demokratie, ja von einer Gefahr des Parteiverrates gesprochen hat. Die Sache liegt 296