Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1924-01-01 · 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923 · p. Seite 295

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
Date
1924-01-01
Page
Seite 295 (sequence 318)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476280--5426-3481571
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wiederaufbaues unseres nationalen Heimes herantreten. Unsere Juden, die schon das Glück haben, in Palästina zu leben und zu arbeiten, sind noch immer in der Lage, dass sie von den Aktionen ihrer Brüder im Galuth abhängen. Und ich sage es klar und offen — und ich glaube, dass ich damit meine zionistischen Ueberzeugungen nicht leugne — wenn die praktische Arbeit immer wieder durch Mangel an Geld in kritische Lagen versetzt wird, so haben wir nicht das Recht, zu genau den konstitutionellen Charakter der Agencyvorschläge zu prüfen. Bei einer Volkskrise ist es nicht angebracht, auf Details des Staatsrechtes einzugehen. Ich muss immer an den Protest unseres Dichters Gordon denken: Wenn der Feind an den Mauern Jerusalems steht, streitet man nicht über die Kaschruth der Oele. Realitäten sind vor allen Dingen in die Augen zu fassen. Man hat hier sehr viel über England gesprochen. Ich lasse mich nicht auf die Richtigkeit und die Weisheit dieser Aeusserungen ein. Eines hat man aber hier am meisten vergessen. Vielleicht, wie manche glauben, gibt es in England keine Zionisten und sogar keine Juden, aber dass es ein englisches Volk gibt, wird niemand leugnen. Und reden Sie sich nicht ein, dass, wenn wir die englische Arbeiterpartei auf unserer Seite haben, unsere Sache schon sichergestellt ist. Ich will nicht die Würde und Macht dieser Partei bestreiten, ich^bin selbst Anhänger dieser Partei. Es muss aber gesagt werden, dass die zionistische Politik in Palästina niemals eine Parteifrage in England sein darf. Es muss unbedingt vermieden werden, dass entweder die Regieruriglpartei oder irgendwelche Oppositionspartei in die Lage versetzt wird, antizionistisch zu sein als Folge der Parteiteilungen. Eine solche Gefahr existierte in bezug auf einen Teil,der liberalen Partei bei den letzten allgemeinen Wahlen und wir englische Zionisten mussten schwer arbeiten, um diese Gefahr zu beseitigen. Uebrigens haben wir noch nicht vollen Erfolg gehabt. Das ganze englische Volk muss auf unserer Seite stehen, wenigstens der freiheitsliebende und aufrichtige Teil des englischen Volkes. Oft müssen wir unsere zionistische Tätigkeit unter den Juden auf einige Zeit einstellen, um Propagandaarbeit unter den Nichtjuden zu leisten: in Vereinen, in politischen Versammlungen, sogar in Kirchen! Was ich persönlich an dieser Tätigkeit am schwierigsten finde» ist, zu erklären, warum die Palästinaarbeit nur Sache der Zionisten ist warum diese und jene Juden, deren Namen wohlbekannt sind, an unserer Arbeit nicht teilnehmen. Ich könnte vielleicht diesen Nichtjuden erklären, warum dem so ist, aber Sie wissen, meine Herren, Gojim sind selten gute Talmudisten, obwohl manche Talmudisten ganz gute Gojim sind. (Heiterkeit.) Wir müssen eine gewisse Einigung erzielen, wir müssen der Welt eine vereinigte Judenheit zeigen. Dann wird auch unsere innere Arbeit viel leichter sein. Denn niemand trennt sich gerne vom Gelde. Haben wir in bezug auf unsere Arbeit in Palästina zwei Parteien, so haben wir einen „Tanna käma" und einen „Tanna batra'\ und in solchen Fällen ist es immer möglich zu sagen: Ich halte mit dem anderen „man deamar". Wir wollen keinen anderen „man deamar". Nicht alle Juden sind Nationalisten, nicht alle glauben an das zionistische Ideal, aber alle Juden, die mit uns in Erez Israel wirken wollen, glauben wenigstens an die besonderen Eigenschaften des Landes in bezug auf das jüdische Leben * und das genügt schon für eine Verständigung. * . Ich glaube an den WTeltkongress, denn ich glaube an das unabhängige jüdische Volk. Ich will Palästina als die Schaffung des jüdischen Volkes haben. Ich will die Jewish Agency als direkte Vertretung der Volksmassen sehen. Ich will, dass jedes Mitglied der Agency das Gefühl haben soll, dass es von der Meinung und Stimmung seiner Wähler abhängig ist, dass es sich nur nach dem Willen des Volkes richten muss. Aber viel wichtiger ist ein jüdisches Palästina und dieses so balä als möglich. Man fürchtet, dass es Mitglieder der Agency geben könnte, die gegen 295

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.