Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
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besonders in bezug auf die Forderungen des Misrachi. <*Wir wissen, dassviele Vorschläge und Wünsche des Misrachi nicht in Erfüllung gegangen sind. In dieser Beziehung wollen wir unsere Kritik ausüben, aber in bezug auf die Jewish Agency sind wir der Ansicht, dass wir ein grosses Unrecht begehen, wenn wir Opposition machen. Würde es nicht den Verlust unserer jüdischen Welt bedeuten, den Zusammenbruch unseres grossen Ideals, wenn wir diese grosse Stunde nicht auszunützen verstünden? Wir müssen Dr. Weizmann die Mittel geben, unsere Bewegung weiterzuführen, aber ohne Heranziehung neruer Kräfte fehlt uns das Geld und die Möglichkeit zu neuen Taten. Wir, die wir aus dem modernen Aegypten heraus wollen, dürfen nicht nach dem alten ägyptischen System verfahren: Stroh gibst du deinem Knecht nickt und Ziegel verlangst du doch. Die Ziegel zu unserem nationalen jüdischen Heim können nur dann hergestellt werden, wenn wir neue Menschen und damit neues Geld für unsere Sache erhalten. Selbstverständlich müssen die neuen Kräfte auf dem Boden des Zionismus stehen. Die Garantie dafür ist im Artikel 4 des Mandates enthalten, welcher verlangt, dass die „Heranzionisten", wie Sokolow sich ausdrückte, solche sein müssen, die das Prinzip des Zionismus anerkennen. Da gibt es natürlich Hunderte, die nicht gleich sagen, dass sie nationale Juden sind, wie Marshall in Amerika gesagt hat, aber dies soll kein Hindernis sein, denn nur auf diese WTeise können wir unsere Bewegung bereichern. Machen wir .also keine unnötige Opposition, ganz besonders nicht in diesem Momente, der für uns von so grosser Wichtigkeit ist. Dr. Weizmann meinte, dass wir jetzt auf keine politischen Erfolge mehr hinweisen können. Der letzte Artikel von'Lloyd George kann jedenfalls als ein solcher grosser Erfolg betrachtet werden. Aber dieser moralische Erfolg wird nur dann fortdauern, wenn wir dem Manne, der : uns so weit gebracht hat, die Anerkennung nicht versagen. Herr Sokolow hat den XIII. Kongress mit einer Bar Mizwah-Fei^r verglichen. Wir verstehen unter den Tefillin: Kopf und Hand, Theorie und Tat. Trachten wir, nicht nur Theorie zu treiben, sondern gehen wir zu Taten über! Nur dann können wir Grosses leisten, wenn wir neue Kräfte heranziehen: Ich möchte bitten, dass alle Herren, die zum Kongresse mit der Ueberzeugung gekommen sind, dass wir vor einem ernsten Momente stehen, alle ungerechte und unobjektive Opposition beiseite lassen und für den Antrag derjenigen stimmen, die für die Erweiterung der Jewish Agency eintreten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Löbel Taubes (Oesterreich, jüdisch): Sehr geehrter Kongress! Die Frage, über die wir seit der Eröffnung des Kongresses debattieren, die Frage der Jewish Agency, muss von zwei ® Seiten aus betrachtet werden: von der politischen und von der materiellen. Es ist zu verwundern, dass in den ersten zwrei Tagen der Debatte üoer den allgemeinen Bericht, wo man fast ausschliesslich über die Jewish Agency gesprochen hat, fast alle Redner nur die materielle Seite der Frage behandelt haben. Erst in jener Nacht, als Professor Weizmann in diesem Saale nicht zum Kongresse, sondern zu einer Gruppe von Delegierten gesprochen hat, wurde zum ersten Male die politische Seite der Frage berührt und dann erst, nach dem Schlussworte des Herrn Sokolow, wurde die Frage wieder von der politischen Seite behandelt. Ich habe die Frage vom ersten Augenblicke an von der politischen Seite betrachtet. Die Balfour-Deklaration, San Remo und schliesslich das Mandat haben Erez Israel nicht für die Zionisten, sondern für das ganze jüdische Volk bestimmt. Wer sich noch an den ersten Kongress erinnert, wird" wissen, dass die erste Form, die Herzl unseren Bestrebungen gegeben hat, gelautet hat: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich nicht assimilieren können und wollen." Das heisst also für eine Gruppe von 292