Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 311)
- Language
- German, English, Hebrew
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der aus der Not der Stunde geboren ist, mit allen den Vorbehalten gegenübertreten, die einem solchen momentanen Vorschlage gegenüber angebracht sind. Da möchte ich nun zur Begründung, weshalb ich gegen das Methodologische dieses Vorschlages starke Bedenken habe, warnend auf folgendes hinweisen: Wir haben, als die L o nd o ne r'Konferenz stattfand und wir das Gefühl hatten, vor einer ungeheuer grossen Aufgabe zu stehen, nicht zu einer Kritik an unseren eigenen ökonomischen Grundlagen gegriffen, nicht versucht, aus eigenen Kräften die ökonomischen Grundlagen zu schaffen; wir haben resigniert und haben von vornherein mit einem gewissen Fatalismus geglaubt, dass wir vor einer neuen, grossen, phantastischen Sache stünden und haben nach dem Keren Hajessod gegriffen als der erlösenden . Karte, die wir ausspielen wollten. Das war die Befürchtung, die damals ein kleiner Kreis um uns ausgesprochen hat, dass wir hier unvermittelt in einer gewissen hysterischen Art nach etwas gegriffen haben, das uns eine phantastische Illusion gegeben hat: Fünfundzwanzig Millionen Pfund in fünf Jahren und damit ist der Zionismus gerettet. Diese Karte haben wir verloren, wie vorauszusehen war. Wir haben nicht einen Fonds bekommen, mit dessen Hilfe die zionistische Aufbautätigkeit geleistet werden kann. Wir haben nun diese Karte ausgespielt. Wir mussten wieder zur Selbsteinsicht zurückkommen, die uns damals gefehlt hat, und ich will daher heute warnend darauf hinweisen, dass wir heute ähnlich wie damals in illusionistischer Weise nach einer Sache greifen, die sich Jewish Agency nennt. Heute ist es eine Karte, die wir nicht aus unseren eigenen Kreisen ausspielen, sondern von draussen herein bekommen. Ich kann nur das eine sagen: Aus unserer ganzen bisherigen geistigen Entwicklung heraus ist es selbstverständlich, dass wir den Gedanken der Erweiterung der Zionistischen Organisation, den Gedanken, die zionistische Idee und Organisation auf die breiteste Basis zu stellen, in jeder Weise unterstützen können. Aber aus den Befürchtungen, die ich skizziert habe, unterstreiche ich, was Dr. Klee gesagt hat: Wir müssen, wenn wir an eine solche Idee herangehen, sie mit entsprechenden Kautelen umkleiden, die darin bestehen, dass uns Garantien gegeben werden, dass wir endlich einmal brechen mit der Systemlosigkeit und mit dem absoluten Mangel an Verständnis für die Notwendigkeit, unser eigenes Aufbauwerk zu reorganisieren und es auf eine systematische, gesunde Grundlage zu stellen, Delegierter Benjamin Arditti (Bulgarien, deutsch): Es ist Ihnen und mir klar, dass ich in den zehn Minuten, die mir zur Verfügung stehen, nicht ausführlich über die Fragen sprechen kann, über die man reden sollte. Ich will aber eine Frage berühren, die auf diesem Kongresse nicht genügende Beachtung gefunden hat und die mit der Frage im Zusammenhange steht,.welche auf der Tagesordnung steht. Wir fassen die Erweiterung der Jewish Agency so auf, dass weite Schichten des Volkes hineinkommen müssen. Wenn wir darüber nachdenken, so kommen wir zu dem Resultate, dass die Zionistische Organisation bis jetzt einem Teile unseres Volkes, das ist dem seph ardischen Teile, keine genügend grosse Aufmerksamkeit geschenkt hat. Es wurde von Herrn U s s i s c h k i n mit Befriedigung hervorgehoben, dass 1500 Sephardim nach Palästina eingewandert sind. Wir müssen aber mit Befremden feststellen, dass in ganz Palästina nur zwei Sephardim, und zwar im Waad Leumi angestellt sind. Wenn wir das hier vorbringen, so geschieht .es deshalb, weil wir wissen, dass in Palästina, in Persien und in anderen sephardischen Ländern eine sephardische Bewegung entstanden ist. Wir Juden in Bulgarien sind gegen eine Separationspolitik, aber wenn man nicht rechtzeitig entsprechende Massnahmen ergreift,, so. wird es. morgen schon zu spät sein. In den letzten zehn Monaten sind , 1732 Sephardim nach Erez Israel gekommen, die aber, weil niemand da ist, mit dem sie verhandeln können, nicht unterkommen konnten. 288