Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 310)
- Language
- German, English, Hebrew
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Was die Frage des Provisoriums betrifft, so hat unsere Föderation hier bereits erklärt, dass sie dem Gedanken eines Provisoriums keineswegs grundsätzlich abgeneigt ist. Im Gegenteile, wir haben erklärt, da-ss unser Hinzielen auf einen Weltkongress um so mehr Impuls in die Frage des Provisoriums hineintragen wird, als in uns ebenso stark wie in anderen Gruppen die Frage der Heranziehung und Erweiterung lebendig ist. Aber zwei Bedingungen haben wir in der Resolution gestellt: Erstens, dass an diesem Provisorium sich nur solche Kreise beteiligen, die wirklich für das nationale Heim einzutreten bereit sind — und zweitens, dass dieses Provisorium nicht so aussehen darf, dass es den Weltkongress unmöglich macht, sondern im Gegenteile so, dass die Mitglieder der provisorischen jewish Agency vor diesem Weltkongress verantwortlich sind. Die Frage, warum wir diese Verantwortlichkeit erstreben, kann ich jetzt aus Zeitmangel nicht darlegen. Ich verweise aber auf das, was Grünbaum in der Generaldebatte gesagt hat, und schliesse damit, dass der Misrachi nach wie vor auf dem Standpunkte steht, dass die einzig mögliche organische Entwicklung der Weltkongress ist und dass er treu bleiben wird vielleicht nicht der Zionistischen Organisation, wohl aber dem zionistischen Gedanken. Die einzig mögliche organische Entwicklung des zionistischen Gedankens liegt in dem Weltkongress und in nichts anderem. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Heinrich Marguües (Deutschland, deutsch): Geehrter Kongress! In dieser vorgerückten Stunde, nachdem man mehrere Tage über die Jewish Agency gesprochen hat, gehört ein besonderer Mut dazu, sich nicht von der Rednerliste streichen zu lassen. Man müsste annehmen, dass alles, was über die Jewish Agency gesagt werden kann, schon gesagt worden sei. Dennoch habe ich das Gefühl, dass e,s notwendig, wenn auch vielleicht zwecklos ist, in diesem Momente noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir auf diesem Kongresse eine eigenartige Situation erleben. Gewöhnlich ist es so, dass die Leitung ihren Rechenschaftsbericht vorlegt, dass auf Grund des Rechenschaftsberichtes festgestellt wind, ob etwas versäumt und amterlassen wurde, und dass man sich in der Generaldebatte kritisch damit befasst, worauf dies zurückzuführen sei und wie Abhilfe zu schaffen wäre. Hier aber wurde der Kongress sofort mit einem krassen Abänderungsvorschlag überschüttet und seine ganze Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf diesen Abänderungsvorschlag und wurde von der Frage, was wir versäumt haben, abgelenkt. Wie ist es aber möglich, über einen Abhilfevorschlag zu urteilen, wenn .man kein Urteil darüber hat, welches die Ursachen der Krise sind? Wenn diese Krise tatsächlich nur darin ihre Ursache hat — und fast könnte man es annehmen — dass wohl alles in unserem Organismus ganz gesund und normal ist, dass uns aber eine gewisse Anzahl Pfunde fehlen, so ist hier eine rein additioneile Lösung möglich. Dann könnte man einen solchen Vorschlag, wie er hier gemacht worden ist, von vornherein mit einer gewissen Loyalität untersuchen. Kommt man aber dazu, dass hier mit einer additioneilen Lösung nicht gedient ist, sondern dass die Krise darin wurzelt, dass die ganze Art des finanziellen, ökonomischen und organisatorischen Systems verfehlt, falsch, morsch und brüchig ist, dann kommen wir zur Erkenntnis, dass es notwendig ist. aus uns heraus eine Gesundung zu erstreben, womit nichts dagegen gesagt sein soll, dass gleichzeitig eine Erweiterung angestrebt wird, die meine Freunde stets begrüssen. Wenn Dr. Klee betont hat, dass gerade wir, eine Gruppe, die bisher in der Minorität war, diese Erweiterung begrüssen, so haben wir uns unter einer solchen Erweiterung immer eine Ausweitung der nationalen Idee und niemals eine Ausweitung aus der Not der Stunde heraus vorgestellt. Diese letztere Sache hat mit unserer prinzipiellen Grundeinstellung nichts zu tun. Wir müssen daher einem solchen Vorschlage, 287