Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 302)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter Dr. N. Syrkin (Poale Zion. Amerika, deutsch): Werter Kongress! Nach einigen Tagen der Diskussion und des Herumredens sind *wir doch dazu gekommen, das Problem eines Weltkongresses aufzunehmen. Dieser Kongress hat mehr als alle früheren bewiesen, dass Erez Israel nicht durch die Zionistische Organisation allein verwirklicht werden kann, sondern nur durch einen allgemeinen Kongress. Erez Israel und Weltkongress fallen jetzt zusammen. Den Weltkongress heute ablehnen, heisst dem Aufbau Hindernisse in den Weg legen. Wenn man die Entwicklung der Zionistischen Organisation betrachtet, so sieht man, dass dieselbe eine absteigende war. Wenn eine Gruppe, und das gilt auch vom Falle der Brandeis-Gruppe, von einer Organisation ausgeschlossen wird, so sind darin zumeist die Zurückbleibenden schuld. Auf Grund eines Misstrauensvotums darf man doch niemanden hinauswerfen. Jetzt stehen wir wieder vor dem Problem, dass diese oder jene weggehen wollen. Möge der Kongress eine grosse moralische Anstrengung machen und den WTeltkongress fordern, auf dem die Juden aller Richtungen sich treffen können. Mein Vorredner hat gesagt, dass sich ein jüdischer Weltkongress auf den Standpunkt des M i s r a c h i stellen werde. Ich weiss nicht, ob dem so sein wird, aber ich bin sicher, dass ein jüdischer Weltkongress das jüdische Erez Israel nicht auf Grund der Majorität, sondern auf Grund der Logik aufbauen wird. Erez Israel muss auf Grund der inneren Logik und auf Grund jener Wahrheiten der Thora aufgebaut werden,, welche in ihr enthalten sind. Es gibt zwei Kategorien von Wahrheiten; bauen wir Erez Israel auf jenen Wahrheiten auf, welche alle Kulturmenschen als für sich verbindlich ansehen. Jetzt will ich zur Frage der A g e n c y übergehen. Ich bin zur Ueberzeugung gekommen, dass die ganze Frage aufgebauscht worden ist. Diejenigen, die sich fürchten, die jüdische Bourgeoisie in die Jewish Agencv aufzunehmen, erweisen ihr damit zu viel Ehre. Ich habe vor ihr keine Angst und bin daher bereit, sie aufzunehmen. Die jüdischen Finar.zpiinzen, von denen man spricht, haben bereits ihre innere Sicherheit verloren, indem sie in die Jewish Agency eintreten. Sie haben damit vor dem Zionismus kapituliert und nicht umgekehrt. (Zustimmung.) Es besteht nur die Gefahr, dass sie nicht kommen werden. Deshalb sage ich, ich hätte gewünscht, dass man dieses Problem mit mehr Kaltblütigkeit und mit ein wenig Ironie behandelt hätte. Wenn wir sie aufnehmen und sie uns unangenehm werden, dann werden wir sie noch immer hinauswerfen können. Die Sache ist sehr einfach und mit ein wenig mehr Humor und Ueberlegenheit würden wir diese Fragen viel richtiger entscheiden können. Ich verlange einen ganz klaren Termin für die Einberufung des jüdischen Weltkongresses; er muss innerhalb kurzer Zeit, in höchstens zwei Jahren zusammenberufen werden. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn man sagt, er kann erst in fünf Jahren einberufen werden, so ist das gleichbedeutend mit dem Aufgeben dieses Gedankens. Wer von fünf Jahren spricht, von dem weiss ich nicht, ob er es mit dem jüdischen Weltkongress ehrlich meint. Die Lösung des ganzen Problems liegt in der Einberufung des Weltkongresses. Mit der Zionistischen Organisation ist nicht jeder Jude verpflichtet zu gehen. Aber mit dem Weltkongress, der Repräsentanz des ganzen Volkes, werden alle gehen. Er wird die moralische Autorität haben, Kapitalien zu sammeln und er wird das richtige Mittel sein, alle Juden zu vereinigen und alle Energie in den Dienst des Aufbaues zu stellen. Die Jewish Agency ist eine untergeordnete Frage, die wir als ein Provisorium betrachten können. Der jüdische Weltkongress muss sofort in Angriff genommen werden. (Lebhafter Beifall.) 279