Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 303)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter M. Lipson (Hitachduth-Amerika, jüdisch): Geehrter Kongress! Es war hier schon wiederholt von Abschaffung von Legenden die Rede, die in der zionistischen Bewegung existieren. Auch ich will eine solche Legende zerstören, nämlich die, dass alle amerikanischen Zionisten für die Proposais von Baltimore waren. Das ist eine Legende. Nicht nur die H i t a c h d u t h, sondern auch viele allgemeine Zionisten in Amerika sind gegen die amerikanischen Proposais, namentlich gegen jene, die sich auf die Jewish Agency beziehen. Man hat über die Jewish Agency in der Presse und in den Versammlungen sehr viel geschrieben und gesprochen, und wir haben immer gefragt: Wer sind die Menschen und die grossen Organisationen, die man heranziehen-will? Wir haben gehofft, darauf eine klare Antwort zu bekommen. Wir müssen gestehen, dass wir sie nicht gehört haben. Schmarja Levin, vielleicht der beste Kenner Amerikas, hat gesagt: Man kann nur einzelne Menschen heranziehen, nicht aber Gruppen. Alle Organisationen werden nicht zum Zionismus kommen. Warum sind sie denn bisher nicht gekommen, wenn sie, wie immer gesagt wurde, zu sechzig Prozent aus Zionisten bestehen? Ich will eine Tatsache erwähnen, die sehr lehrreich ist. In Amerika gibt es einen Rabbi S i 1 v e r m a n, der der grösste Gegner des Zionismus war. Auf dem jüdischen Kongresse in Philadelphia "war er der einzige, der gegen Erez Israel scharf protestierte. Wir alle haben ihn für den Verräter des jüdischen Volkes 'gehalten, und heute steht er in unseren Reihen und ist einer der besten Arbeiter für den Keren Hajessod. Wodurch ist das erreicht worden? Durch unsere zionistische Arbeit. Wir sind nicht zu Silvefman gegangen, sondern er ist zu uns gekommen, als die zionistische Arbeit begann.. Das ist der wahre Weg. Wenn wir nur richtig arbeiten, dann werden alle zu uns kommen und nicht wir zu ihnen. Man hat hier gesagt, die Frage der Jewish Agency sei aufgebauscht worden, die Panik sei eine künstliche. Das ist nicht richtig. Es gibt einen sogenannten zionistischen Instinkt, der die Gefahr spürt, die in der beabsichtigten Erweiterung der Jewish Agency steckt. Unser Führer in Baltimore hat auch erkannt, dass dies ein gefährlicher Weg ist. Wir Amerikaner haben ja schon Erfahrungen mit B r a n d e i s gehabt. Damals ist er als ein grosser Jude und Mensch gekommen und ist in den Zionismus eingetreten, und dann mussten unsere Führer nach Amerika kommen und mussten uns von diesem grossen Juden losreissen. Wer wird iu ein bis zwei Jahren zu uns kommen, um diejenigen aus unserer Mitte zu entfernen, die wir jetzt heranziehen wollen? Dr. Syrkin hat gemeint, er habe keine Angst vor ihnen. Ich weiss nicht, ob man nicht Angst haben soll. Es ist sicherlich eine grosse Gefahr. Wenn man sie wird hinauswerfen müssen, dann wird das einen grossen Schaden für den Zionismus mit sich bringen. Dann wird es wieder heissen: Ein Riss und eine Spaltung. Deshalb, sagen wir von der Hitachduth in Amerika und alle jene Zionisten, die nicht vom Strome mitgerissen wurden: Der einzige W e g ist die Fortsetzung der zionistischen Arbeit .und das Verbreiten der zionistischen Idee im Volke. Unsere Juden in Amerika können auch ohne die grossen Juden das Maximum für den Keren Hajessod schaffen. Die Zeit für den Weltkongress scheint noch nicht gekommen, obwohl wir für ihn sind. Deshalb muss die Jewish Agency bei der Zionistischen Organisation bleiben. Wer hereinkommen will, der soll zu uns Romanen, wir werden zu niemandem gehen. Delegierter Eümelech Neufeld (Misrachi-Polen, jüdisch): Geehrter Kongress! Wir erinnern uns noch der Propaganda, die der moderne Zionismus in seinen ersten Jahren gemacht hat, als er auch dieselben jüdischen Kreise heranziehen wollte wie heute und an die Reichen appellierte, für die 'Kolonisation in Erez Israel mitzuwirken; denn das läge auch in ihrem Interesse; der Zionismus werde der Blitz- 230