Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 289)
- Language
- German, English, Hebrew
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rechnen, die sich für Wohltäter halten und vergessen, dass sie Söhne ihres Volkes sind. Vielleicht haben wir den richtigen Zeitpunkt versäumt, vielleicht haben wir geirrt und gesündigt, dass wir nicht mit Zuversicht zu einer geeigneteren Zeit, kurz nach dem Friedensschluss im Jahre 1919 für den Jüdischen Weltkongress gearbeitet haben. Unsere Leitung hat nicht mit der wünschenswerten Energie für die Durchführung dieses Gedankens gearbeitet. Als wir vielleicht konnten, wollten wir nicht: jetzt wollen wir, können aber nicht. Heute drängt die Stunde und die Frage verlangt eine Antwort. Aber trotz der schwierigen Situation dürfen wir das Grundprinzip der Bewegung nicht preisgeben: Arbeit des ganzen Volkes und Kontrolle des ganzen Volkes unter Teilnahme aller seiner Schichten und Teile. Arbeiten wir vertrauensvoll für den Weltkongress und suchen wir inzwischen die beste Lösung für die Erweiterung der Jewish Agency. indem wir aber diese Frage und die allgemeine Situation erörtern, vergessen wir nicht die Folgen unserer Meinungsverschiedenheiten in der unmittelbaren Vergangenheit. Vergessen wir nicht die Folgen des Ugandastreites und die Folgen der Sezession nach der Londoner Konferenz. Wollen wir es begreifen, dass die Heranziehung zur Jewish Agency von Elementen, die von der öffentlichen Meinung unabhängig sind, in sich die Gefahr birgt, der Bewegung Kräfte zu entfremden, auf die unser Volk und unser Land angewiesen ist. Lernen wir aus der Vergangenheit und wir werden wissen, was zu tun ist. Mitglied des Actions-Comites Abraham Goldberg (Amerika, jüdisch): Geehrter Kongress! Es zeigt sich, dass wir jetzt von den Wolken herabgestiegen und wieder auf den Boden der Realität gekommen sind. Sogar Dr. Soloweitschik, den viele als Gegner der Erweiterung betrachtet haben, ist zur Ueberzeugung gekommen, dass man Menschen heranziehen muss. Die Frage ist nur: Wie macht man das? Bei uns in Amerika, einem Lande, das zuerst schafft und dann erwägt, war über diese Frage keine grosse Debatte. Wir haben die Ihnen bekannten Vorschläge angenommen und das, was Herr Dr. Soloweitschik gestern hier auseinandersetzte, war der amerikanische Plan. Wenn wir einen Erfolg haben wollen, müssen wir zu neuen Menschen kommen, und wir haben geglaubt, dass die Jewish Agency das geeignete Mittel ist, neue Menschen heranzuziehen. Für uns war es klar, dass wir es, da hier die Formel „Volk ohne Land und Land ohne Volk4' geprägt wurde, zunächst mit einem Volke zu tun haben, das nicht nur kein Land hat, sondern nicht einmal den Willen zu einem Lande besitzt. Man muss also zunächst im Volke den Willen zum Lande wecken. Man muss Schritte unternehmen, um die jüdischen Massen heranzuziehen. Ja, noch mehr: das jüdische Volk — denn darunter versteht man nicht bloss die Massen, sondern auch die einzelnen Schichten. Unsere Pflicht ist es, auch den Reichen im Salon aufzusuchen. Man muss alles heranziehen. Daher sind wir für die Erweiterung der Jewish Agency eingetreten und haben auf der Konferenz von Baltimore eine diesbezügliche Formel angenommen. Zunächst muss ich erklären, dass wir Amerikaner mit unserer ganzen Kraft für das Prinzipder Demokratie in unserer Bewegung eingetreten sind. Uns ist Demokratie nichts Neues. Es sind daher alle die Vorwürfe, die an die Adresse Amerikas hier gerichtet wurden, als ob Amerika bereit wäre, die Rechte der Zionistischen Organisation preiszugeben oder das demokratische Prinzip zu verleugnen, absolut unbegründet. Die Zionistische Organisation in Amerika kann nach dem Kampfe, den sie vor zwei Jahren geführt hat, nun nicht dagegen sein, wofür sie selbst vor zwei Jahren gestlitten hat. Wir haben aiso vorgeschlagen, dass eine auf demokratischer Basis gebildete Konferenz einberufen werde, in der alle Elemente vertreten wären und in der für den Moment vergessen 266