Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 288)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter David Florentin (Griechenland, hebräisch): In Griechenland ist es uns gelungen, einen jüdischen Kon.gress zustande zu bringen, an dem sich alle Gemeinden und alle Schichten des Volkes beteiligen. Es ist uns auch bis zu einem gewissen Grade gelungen gewisse Kreise, die uns bisher fernestanden und niemals für eine ernste nationale Arbeit gewonnen werden konnten, zur realen Arbeit in Palästina heranzuziehen. Es sind dies Gesellschaften und Organisationen, die ihr eigenes Ziel verfolgen und teilweise Gegner unserer Bestrebungen sind. Wenn wir auf Grund unserer Versuche Schlüsse ziehen, so kommen wir zur Erkenntnis, dass es möglich ist, Männer, die an der Spitze nichtnationaler Organisationen stehen, als Vertreter besonderer Organisationen zur nationalen Arbeit heranzuziehen, aber keineswegs dann, wenn sie zu uns als Vertreter von Institutionen und Organisationen kommen, die unserer Arbeit völlig ablehnend gegenüberstehen. Dieselben Männer, die als Mitglieder des jüdischen Kongresses mit uns zusammen auf loyale Weise nationale Arbeit leisten, verhalten sich zu uns ganz anders als Vertreter ihrer mehr oder weniger assimilatorischen Gesellschaften. Mit dieser Situation müssen wir. ob wir es wollen oder nicht, bis zu einem gewissen Grade rechnen. Die brennende Frage, die jetzt auf der Tagesordnung steht, die Frage der Erweiterung der Jewish Agency verlangt meines Erachtens eine ausserordentliche Vorsicht. Es ist notwendig und möglich, bemittelte und einflussreiche Nichtzionisten zum Aufbau Palästinas als Vertreter der breiten Oeffentlichkeit und unter der Kontrolle der Oeffentlichkeit zur Arbeit am Aufbau Palästinas heranzuziehen, aber niemals als Vertreter der bereits bestehenden selbständigen Organisationen, die der Kontrolle einer breiteren Oeffentlichkeit nicht unterstehen. Wir können und müssen mit den örtlichen Bedingungen bei der Anwerbung der für die Renaissance des Volkes notwendigen Kräfte rechnen, aber den obersten Grundsatz unserer Arbeit, die Vollmacht des Volkes und die Kontrolle des Volkes, dürfen wir unter keinerlei Bedingungen preisgeben. Wenn es ■unmöglich ist zu warten, und wenn es ebenso unmöglich ist, den jüdischen Weltkongress zu organisieren, dann gehen wir schrittweise vor und beginnen wir mit der Erweiterung der Jewish Agency durch Einbeziehung der Vertreter der Judenheit dieses oder jenes Staates, aber nur ais Vertreter der allgemeinen Judenheit und nicht als Vertreter irgendeiner privaten Gesellschaft oder Organisation. Es ist verständlich, dass ein gewählter Delegierter der Juden eines Landes das Recht besitzt, den Volksteil, der ihn wählte, zu vertreten. Aber wie kann man die Autorität und das Vertretungsrecht einer Gesellschaft anerkennen, die zwei- bis dreitausend Mitglieder zählt, vielleicht gar keine Mittel besitzt und zur nationalen Arbeit nicht immer ein freundliches Verhältnis eingenommen hat? Wir können daran denken, die Vertreterschaft der Juden Amerikas oder eines anderen Staates als die Repräsentanz der dortigen jjjdisohen Bevölkerung, die unter der Kontrolle der Volksmasse steht, heranzuziehen, aber niemals die Vertretung einer der jüdischen Organisationen oder Gesellschaften in diesem oder jenem Lande. Welche Organisation steht unserer nationalen Arbeit so nahe wie einst der Hilfsverein? Und dennoch erinnern wir uns alle an den mit ihm geführten Kampf um die Durchsetzimg der nationalen Sprache am Polytechnikum in Haifa, an den Kampf, der den eisten Anstoss zur Gründung von hebräischen Schulen in Palästina gab. Einigen wir uns, organisieren wir alle Kräfte unseres Volkes für den Aufbau Palästinas, aber vergessen wir nicht die Grundlage unserer Arbeit. Alle, die mit uns arbeiten wollen, sind willkommen. Aber die Verantwortung für den Geist unserer Bewegung obliegt uns, der. zionistischen Oeffentlichkeit, vor der grossen jüdischen Welt. Hüten wir uns, in unser Heiligtum, das heisst die Jewish Agency, Strömungen und Männer von privaten Gesellschaften hereinzubringen. Es ist sehr gefährlich, mit Menschen zu