Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 282)
- Language
- German, English, Hebrew
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Weltkongreß entfallen wird, dann muss dies in Frankreich vielleicht auf 5000 der Fall sein. Da machen wir also Unterschiede zwischen Juden und Juden. Darauf gehe ich nicht ein. Der Weltkongress muss auf wirklich demokratischen Grundlagen aufgebaut sein. Die Idee des Weltkongresses befindet sich durchaus nicht im Widerspruch zur Idee der zeitweiligen Kooperation der verschiedenen Organisationen. Man kann aber nicht vom Kongress aus sagen, wir bilden ein Provisorium. Wer wird denn in einen solchen Verband gehen, wenn man ihm sagt, wir werden dich gelegentlich hinauswerfen? Wir bilden die Kooperation und geben* unserer Organisation, die die entscheidende sein wird, den Auftrag, nach dieser und dieser Richtung Propaganda zu machen. Das kann man sagen. Was die Frage der Kooperation mit anderen Organisationen anlangt, so werden Sie es mir nicht übelnehmen, wenn ich Sie ein wenig mit juristischen und politischen Ausführungen aufhalte. Man hat den bekannten Artikel 4 des Mandates nur zum Teile vorgelesen. Man muss ihn aber zur Gänze lesen. Der Inhalt ist folgender: Es soll eine Vertretung der gesamten Judenheit sein und diese Vertretung wird jene Rechte haben, die im Mandat aufgezählt sind. Solange diese Vertretung nicht geschaffen ist, hat die Zionistische Organisation die Rechte der Agency. Daraus folgt erstens, dass die Vertretung der Judenheit nicht die Zionistische Organisation als solche ist. Da diese beiden Dinge einander entgegengesetzt werden, so versteht man wohl unter Vertretung der judenheit etwas mehr als die Zionistische Organisation. Zweitens: die Bestimmung, dass die Zionistische Organisation die Jewish Agency innehaben soll, ist als etwas Provisorisches gedacht; als normal wurde beabsichtigt, eine Agency der ganzen Judenheit zu errichten. Da wir dieses Mandat angenommen haben — diese Klausel ist nicht ohne unse^ Wissen und unsere Zustimmung hineingebracht worden — so ist es unsere moralische und juristische Pflicht, eine solche wirkliche Vertretung der Jude n h e i t zu schaffen. Dagegen wird eingewendet: Erstens: Es sei keine Frist angegeben, folglich können wir -das machen, wann wir es für gut finden werden. Zweitens: Seitens -der englischen Regierung und seitens der anderen Regierungen sei keine Forderung gestellt worden, wir -schaffen selbst diese Forderung. Darauf muss geantwortet werden: Was die erste Einwendung betrifft, dass keine Frist gegeben wurde, so ist das eine Winkeladvokaten-Jurisprudenz. Damit kann man manchmal einen Zivilprozess bei einem schlechten Richter gewinnen. Wenn es sich aber um internationales Recht handelt, kann man nicht so urteilen. Wer mit internationalen Akten bekannt ist, weiss, dass dieselben immer eine gewisse Unbestimmtheit zurücklassen, man will nicht ganz strenge die Völker binden, man verlässt sich auf die bona fides dieser Völker. Das ist aber kein Grund, diese bona fides zu verletzen. In dem Momente, wo es klar wird, dass eine grosse Gruppl prinzipiell gegen eine Vergrösserung der Jewish Agency ist, dann heisst es: Wir haben das Mandat verletzt und wir müssen mit allen Folgen rechnen, die aus der Verletzung eines Vertrages entstehen. Noch etwas! Welches ist unsere Waffe bei unseren politischen Verhandlungen? Wir haben keine Flotte, keine Bomben, wir kommen und fordern Gerechtigkeit und im Namen dieser G-erechtigkeit sprechen wir. Wrir dürfen nie zulassen, dass man uns den Vorwurf macht, dass wir nicht gerecht sind, dass wir aus opportunistischen oder Zweckmässigkeitsgründen unsere Pflicht verletzen. Jene Herren, die jetzt mit solchem Aplomb, mit solcher Ekstase gegen die Zuziehung anderer Organisationen sprechen, tun es sehr spät. Das hätte man vor zwei Jahren tun sollen; man hätte nicht zulassen sollen, dass wir mit diesem Punkte einverstanden waren. Haben Sie stillschweigend Ihre Zustimmung' gegeben, so ist es jetzt zu spät zu protestieren. — Dann sagt man, die englische Regierung fordert es nicht von uns. Es wäre sehr 17* 259