Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 280)
- Language
- German, English, Hebrew
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SIEBENTER VERHANDLUNGSTAG 11. Sitzung Sonntag, den 12. August 1923. Beginn der Sitzung: 3 Uhr 45 Minuten nachmittags. Vizepräsident Motzkin: * ' Ich er öffne die Sitz u n g des Kongresses. Das Wort bat Herr Minister R o s e n b a u in. Delegierter Dr. S. Rosenbaum (Litauen, spricht deutsch): Geehrter Kongress! Es ist sehr schwer, nachdem in der Presse und auf dem Kongress bereits sehr vieles gesagt wurde, nachdem auf der einen Seite Dr. W e i z in a n n und S o k o I o w und auf der anderen G r ü n b a u m und M a r g u 1 i e s gesprochen haben, etwas Neues zu sagen. Wenn ich trotzdem um das Wort gebeten habe, so geschah es aus dem Grunde, weil ich glaube, es kommt nicht immer darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt. Vielleicht wird die Form, in der ich meine Ansicht vorbringen werde, doch von irgendeiner Bedeutung sein. Da möchte ich vor allem etwas über die Methode sagen. Die Frage, die uns jetzt beschäftigt, ist unbedingt eine sehr ernste. Wenn auch die quasi-iuristischen Ausführungen des Herrn Dr. M a r g ulies absolut falsch waren, so gehört doch ein grosser Mut oder eine grosse Naivität dazu — bei Dr. Margulies setze ich das erstere voraus —- um zu behaupten, dass die Rechte, die wir bekommen haben, bei der englischen Regierung das jüdische Volk zu repräsentieren, bedeuten, dass wir ein internationales, ein völkerrechtliches Rechtssubjekt geworden sind. Das ist geradezu naiv. Dr. Margulies müsste wissen, dass Rechtssubjekte im Völkerrecht nicht Völker, sondern Staaten sind. Wo kein Staat ist, da gibt es kein Völkerrecht. Wenn Dr. Margulies die Verdächtigung ausgesprochen hat, dass man die Jewish Agency verkleinert, um für eine gewisse Richtung Propaganda zu machen, so befindet er sich selbst in der Gefahr, in Verdacht zu kommen, dass er die Bedeutung der Jewish Agency vergrössert, um nach der anderen Richtung Propaganda "zu machen. Man muss dennoch zugeben, dass die Frage von grösster Bedeutung ist, aus Gründen* die Herr Dr. Soloweitschik angeführt: hat. Es ist klar, dass für uns die Frage, wer der Träger der Jewish Agency sein wird, von grosser Bedeutung ist. Ist aber die Frage ernst, dann muss darüber ruhig und sachlich und ernst gesprochen werden. Ich war ganz glücklich, als ich von Dr. Margulies hörte, er wolle keine Propaganda treiben, sondern wie ein Jurist sprechen. Ich habe aber den Eindruck — vielleicht irre ich mich — dass er im Verlaufe seiner Rede die Einleitung vergessen hat und nur agitatorisch gesprochen hat. Phrasen wie Bureaukratie, nebulose Politik usw. können wohl bei den Klatschern Erfolg haben, können aber bei ernsten, denkenden Menschen die Bedeutung der Argumente nur verringern und nicht vergrössern. Ich will versuchen, wirklich sachlich zu sein. Man hat drei Fragen verbunden: zwei, von denen man sprach, und eine, von der man nicht sprach. Man verbindet die Frage der K o o p e r a t i o n mit 17