Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 279)
- Language
- German, English, Hebrew
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Was wir ablehnen, ist die Propaganda der neuen Ideen, die wir von sogenannten Sozialisten in ihren Zeitschriften und von ehemaligen Sozialisten auf dieser Tribüne gehört haben, die uns einreden wollen, dass die ideale, nationale und soziale Grundlage des Zionismus veraltet ist. Man hat mit einer ausserordentlich tiefgreifenden soziologischen Erkenntnis früher einmal etwas bewiesen, dessen Gegenteil man mit derselben soziologischen Methode heute beweisen will. Und nun lassen Sie mich sagen, was uns zu unserer Stellungnahme bewogen hat. Für uns war der Zionismus ein Erlebnis, als wir von ihm erfasst wurden. Für uns war er eine Umwälzung der ganzen Welt, in der wir gelebt naben. Wir haben den Zionismus aufgefasst als eine revolutionäre Bewegung, wenn es gestattet ist in einer Zeit, wo sich die Sattheit und Selbstzufriedenheit mit den modernsten Formeln umkleidet, das Wort vom revolutionären Geiste des Zionismus zu gebrauchen. Es war revolutionär, weil es ein Bruch war mit den Verhältnissen, in denen wir gelebt hatten, weil wir uns von den Verhältnissen im Galuth, mit denen wir verkettet waren, befreit haben in stetem Kampfe zuerst mit dem, was in uns gewesen ist, und dann mit unserer Umgebung. Auch unsere Pioniere in Palästina verdienen das Wort revolutionär. Auch sie haben mit den Verhältnissen, in die sie verstrickt Waren, gebrochen. Sie haben die Bequemlichkeiten, die Lockungen und Reichtümer der modernen Kultur von sich geworfen und sind einem Ideal entgegengegangen. Meine Herren! Sie sind vielleicht geneigt zu sagen, zionistische Ideologie, zionistische Begeisterung' seien Phrasen. Da will ich nun das eine feststellen: Zwischen denen, die so denken, und uns gibt es allerdings ein tiefes Nicht verstehen. Denken wir daran, dass wir dem jüdischen Volke politische Rechte errungen haben, wie es seit zweitausend Jahren keine gegeben hat! Wahren wir diese Rechte dem jüdischen Volke! Verschleudern wir sie nicht unter den Lockungen! Denken wir daran, wie H e r z 1 tagtäglich die glatten Wände hinaufzugehen versucht hat zu den Notabein und zu den Geldsäcken und immer , wieder mit zerschundenen Händen und zerrissenen Nerven heruntergekommen ist. Haben sich die Anderen wirklich geändert, ist es wirklich so, dass wir nun zu den Anderen übergehen können, und dürfen wir, was man uns anvertraut hat, den Anderen so leichtsinnig, ohne Garantien, ohne Schutz des nationalen Charakters, ohne Gewähr demokratischer Kontrolle abtreten? Sie werden selbst Gelegenheit haben, auf diesem Kongress die Antwort zu finden. (Beifall.) Vizepräsident Motzkin: Es ist mir von verschiedenen Seiten der Wunsch zugekommen, in Anbetracht der Ermüdung die heutige Sitzung zu schliessen. Morgen vormittags tagen sämtliche Kommissionen, um halb 4 Uhr nachmittags wird der Kongress zu einer längeren Sitzung zusammentreten. Die Redner, die nicht rechtzeitig hier sind, kommen erst am Schluss der Rednerliste an die Reihe. Am Montag wird die Sitzung stattfinden, in der über das Absolutorium abgestimmt werden soll. Dies muss nach unserer Geschäftsordnung zwei Sitzungen vorher angekündigt werden. Ich schliesse die Sitzung. (Schluss der Sitzung: 12 Uhr nachts.) 256