Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 275)
- Language
- German, English, Hebrew
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Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Verehrter Herr Blumenfeld! Es ist fraglich, ob das überhaupt zum Thema gehört, es ist aber unfraglich, dass Sie bereits länger als eine halbe Stunde sprechen. Diese Tatsache kann ich leider nicht ändern. loh habe Sie bereits vor zehn Minuten auf den Ablauf Ihrer Redezeit aufmerksam gemacht. Delegierter Blumenfeld: Ich bedauere, die Zeit über Gebühr in Anspruch genommen zu haben. Ich glaubte, dass diese Frage der lebendigen Kräfte noch nicht erörtert worden ist und dass sie diie Grundfrage 'unserer Erweiterung ist. Ich schliesse, indem ich sage: Wir haben einen Kongress, der die ganze Verantwortung gegenüber dem neuen Palästina hat. Wir wollen nicht dulden, dass dieser Kongress durch Parteitaktik und ähnliche Dinge sabotiert wird. Wir wollen, dass der Kongress eine eindeutige und klare Entscheidung fällt in der Erkenntnis aller Gefahren, die drohen, aber auch in der Erkenntnis der Notwendigkeiten. Denn ein Prestige haben wir zu wahren, das Prestige gegenüber dem neuen Erez Israel. Das ist unsere Prestigepolitik. Der Kongress darf hinter dieser Entwicklung, die wir durchgemacht haben, nicht zurückbleiben. Dieses neue Palästina weiss, dass es von den Zuständen in der Bewegung abhängig ist. Wenn nicht die zionistische Bewegung zu einer Erneuerung in der Propaganda und Erziehung kommt und neue Menschen schafft, dann wird der Zionistenkongress dem neuen Palästina genau so fern sein wie andere Kräfte, die wir heranziehen können. Heute stehen wir noch in diesem Zusammenhange. Ich sehe diese neuen Kräfte der zionistischen Bewegung und wir sind der optimistischen Hoffnung und vertrauen auf die Entwicklung und Zukunft dieser Bewegung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Dr. Emil Margulies (Tschechoslowakei, Fraktion „Zionistische Demokratie", spricht deutsch): Hoher Kongress! Die Fraktion der Zionistischen Demokratie hat mich, der ich auf dem Kongress als Jurist berüchtigt bin, zu ihrem Fraktionsredner bestimmt. Ich hoffe, Sie werden darin eine Gewähr für die leidenschaftslose und rationalistische Behandlung des Problems erblicken. Ich will mich einmal mit der Frage selbst beschäftigen und keine soziologischen Grabreden und auch nicht Propagandareden halten. Hier handelt es sich einmal um ein Fremdwort. Unser Präsident Sokolow hat einmal gesagt, dass wir Zionisten gern Fremdworte lernen, und so ist das Wort Jewish Agency ein frisches Wort geworden. Was bedeutet es uns? Sie wissen, dass es im Artikel 4 des Mandatsstatutes heisst: „Eine angemessene jüdische Vertretung soll als eine öffentliche Körperschaft anerkannt werden." Es steht ferner noch drin der Aufgabenkreis, den sie bewältigen soll. Ich will einmal hier bei diesen zwei Zeilen stehen bleiben und versuchen klarzumachen, was noch nicht klargemacht wurde. Was bedeuten diese Worte: „Eine angemessene jüdische Vertretung soll als eine öffentliche Körperschaft anerkannt werden"? Das steht in einem Vertrage des Völkerrechtes. Das heisst, diese angemessene jüdische Vertretung soll eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes, des Völkerrechtes sein. Ich will keine grossen Worte gebrauchen, aber ich habe die Ueberzeugung, dass das jüdische Volk in den zweitausend Jahren, seitdem es seine öffentliche Vertretung verloren hat, noch nichts auf dem Gebiete der Politik "errungen hat, was sich dem irgendwie gleichstellen Hesse. Das jüdische Volk hat Vertretungen in den einzelnen Ländern, es hat Vertreter der russischen, polnischen, österreichischen, amerikanischen Juden; aber dass es ein jüdisches Volk gibt als eine Einheit, als ein Volk unter den Völkern, das war ein Postulat des Zionismus und ist hier zum öffentlichen Rechte 252