Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 273)
- Language
- German, English, Hebrew
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zu kurz kommt. Es kann vorkommen, dass eine Gruppe ihr Vertrauen zu einer Neuordnung zionistischer Dinge davon abhängig macht, ob einer aus ihrer Mitte in die Exekutive kommt. (Rufe: Hört! Hört! — Ruf: Beamtenwirtschaft!) Das Recht zu Zwischenrufen will ich den Herren nicht benehmen, ich glaube aber, ein solcher Zwischenruf, ist das Zeichen eines schlechten Gewissens. (Beifall.) Alle schlechten Erscheinungen im Zionismus werden heute gar nicht so tadelnswert gefunden. Viele sagen, wenn man auf solche Dinge hinweist: das ist ja nur ein Zeichen, dass wir eine normale politische Partei sind; auch bei uns gibt es das, auch bei uns muss man damit rechnen: jede politische Organisation muss solche Erscheinungen hervorbringen. Es ist naiv, über solche Dinge zu sprechen. Das sind wahre Verfallserscheinungen der Bewegung, die sich beruhigt mit all den Schäden in sich und nicht fühlt, wenn sie unzulänglich wird und versagt. Der positive Grund für die Notwendigkeit einer Erweiterung liegt im Tempo unserer Arbeit. Wir brauchen diese Beschleunigung nicht nur für den Palästinaaufbau — darüber sprach gestern Präsident Weizma n n — wir brauchen diese Beschleunigung auch für den Galuth-Zionismus. Wir sind vielleicht die letzte Generation von Juden, die Kongresse in dieser Form abhält, die sich verständigt. Die Verständigung wird immer schwerer, das Auseinanderleben geht immer schneller, und es bedarf unerhörter Anstrengung auch im Tempo, um fortzuschreiten. Und wer glaubt, wir können hier warten, der müsste aufzeigen, in welchem Tempo im letzten Jahre in seinem Lande der Fortschritt stattgefunden hat, wieweit es gelang, durch diese innere Kraft neue Kreise zu gewinnen und heranzuziehen. Wir brauchen aber auch einen schnellen Zufluss in Erez Israel, wir brauchen ihn durch die Mittel und die Kräfte der Zionistischen Organisation, und hier sei eine grundsätzliche Bemerkung gestattet. Was ist der politische Zionismus? Er ist eine zeitliche Bewegung. In diesem Judentume, das se\t langer Zeit dachte, es werde schon weitergehen, wir harren aus und warten, erschien die ungeheure Tat Herzls, die Vorstellung, durch die Kraft eines Beschlusses müsse ein Werk vollendet werden. Der Zionismus ist die Bewegung unserer Zeit. W i r haben es zu tun, wir können nichts einer kommenden Generation überlassen; und wenn man darauf das Wort ewig als Antwort gibt, so meint man, es werde ja auch gehen, wenn die nach uns noch einiges tun werden. Dasjenige, was wir zu tun haben, ist ungeheuer gross und muss durch uns geschehen, und die Weihe unseres Lebens liegt darin, dass wir heute den Zwang zum erhöhten Handeln haben. Sie haben das Zusammentreffen dieser Bewegung sowie das Werk durchführen wollen und Sie haben heute den Zwang einer furchtbaren Zeit, der uns zur Beschleunigung veranlasst. Man darf sich nicht täuschen über das Mass der Kräfte, sondern man muss fragen, was ist zu tun, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Ich habe neulich gehört, dass man sagte, das sei eine neuartige Theorie. Ich kann mit dem WTorte eines grossen jüdischen Politikers antworten: Was die Herren nicht widerlegen können, das nennen sie Theorie, was sie aber selbst nicht beweisen können, das nennen sie Praxis. Das Problem der Erweiterung der Jewish Agency hängt davon ab, wie wir die Frage beantworten, ob wir auch weiterhin die Führenden bleiben können. Die Antwort, die trotz der Erkenntnis des unzulänglichen Zustandes in unserer Organisation zu geben ist, lautet: Wir können es wagen, die Frage zu bejahen, wir müssen es heute bei gleichzeitiger erhöhter Anstrengung wagen. Warum? Man hört immer Worte. Die einen sagen, der Zionismus ist stark, die anderen, er ist schwach. Er ist schwach gegenüber unserer Aufgabe, aber stark und die stärkste Macht trotz allem noch immer im jüdischen Leben. (Beifall.) Diese beiden Dinge sind richtig, sie sind heute noch richtig; sie können unrichtig werden, wenn jene mechanische Auffassung im Zionismus weiterherrscht, die sich 250