Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 272)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kongresse Nordaus gedacht wurde, so soll seiner als des ersten Theoretikers gedacht werden, der die Lüge der Emanzipation verneint und den Zionismus begründet hat als Verneinung dieses Lebens, als Notwendigkeit eines neuen Lebens unter freien, eigenen Bedingungen. Die Unsicherheit kommt nun davon, dass die Diskrepanz zwischen dem Galuthjudentum und den Aufgaben der Kolonisation immer deutlicher wird. Kolonisieren können nur Menschen, die nicht diesen kurzatmigen Gallith als den Normalzustand betrachten, sondern Menschen, welche sich wirklich vorstellen, dass es jetzt gilt, ein neues Leben in neuen Berufen, in neuer Wirtschaft aufzubauen. Vergessen Sie nicht, dass der Zionismus mit einer Vorstellung von einer neuen Wirtschaft begann, schon bei H e r z 1, von einem neuen sozialen Leben; und dass der Zionismus in einem späteren Stadium vergessen hat, dass es nur eine Einheit geben kann zwischen neuen Menschen, neuem Leben und neuer Produktivität. Ein weiteres Moment ist der ungleichartige Zustand der zionistischen Bewegung. In den verschiedenen Ländern ist die Bewegung in verschiedenen Stadien der Entwicklung. Es ist durch den Krieg schwerer geworden, zum Kongress zu reden, weil die einzelnen Teile sich auseinanderentwickelt haben und die vereinheitlichende Kraft der zionistischen Idee, die die Menschen über die Grenzen der Länder hinaus zusammengefügt hatte, nicht mehr so stark empfunden wird. Nun kommt ein weiteres erhebliches Moment, das beweisen soll, dass die innere Krise oder die Wandlung im Zionismus tiefere Gründe hat. Der Zionismus hat seinen kämpferischen Charakter gegenüber der nichtzionistischen Welt verloren. Das ist richtig. Aber er war schon vor dem Ausbruche des Krieges irn Begriffe, diese kämpferische Attitüde aufzugeben. Auch ohne Gründung des Keren Hajessod, auch ohne den Gedanken der Jewish Agency hat sich innerlich die Stellung der Zionisten gegenüber der nichtzionistischen Welt gewandelt. Worin? Dass nämlich der Zionismus in seinen ersten Jahren als eine Bewegung begann, deren Propaganda die Loslösung allein bedeutete, und dass, nachdem es mehr als zwei Jahrzehnte Zionismus gab, der zionistische Mensch von dieser nur loslösenden Propaganda nicht mehr befriedigt wurde. Er wollte nicht nur im Denken anders sein, sondern auch im Leben, und das Ziel zionistischer Propaganda wurde Erziehung.. Der Kampf war nicht mehr eine Kampfrede, sondern ein Kampfleben. Das war eine andere Sorte zionistischerMenschen, die nun versuchte, dieser nichtzionistischen Welt zu zeigen, dass der Zionismus einen anderen Charakter erhalten hat. Was wirkte, war das Vorbild im Leben und nicht mehr nur dieser Unterschied im Denken. Und je mehr Menschen es gab, die nicht nur dem Worte nach Pioniere waren, sondern Menschen, die wirklich ihren Tag und ihre Stunde in den Dienst der Sache stellten, umso deutlicher wurde der Unterschied im Leben, umso weniger notwendig war es, nur in kämpferischer Haltung zu stehen. Diese Entwicklung bedeutet Fortschritt und sie wurde notwendig, weil der Zionismus sich parallel mit Erez Israel zu entwickeln versuchte. Heute liegt die Krise darin, dass Erez Israel sich schneller entwickelt hat als die Zionistische Organisation, ja, sogar dass der Unterschied sinnfälliger wird dadurch, dass die Avantgarde, dass die besten Menschen der Bewegung nach P al äst in a gehen und nur die zurückbleiben, die sich doch damit abfinden können, dass Palästina eine Entwicklung durchmacht, dass die Zionistische Organisation sich dabei beruhigt und dass weite Bestandteile der Zionistischen Organisation zwar weiterleben, aber nicht mehr ein Teil des neuen Lebens in Palästina sind. Der beruhigte bürgerliche Zionismus in diesem besonderen Sinne, der satt und zufrieden ist und die bestehenden Güter der Organisation so hütet, als ob sie Leben wären, der hat in uns Erscheinungen hervorgerufen, welche die Frage berechtigt erscheinen lassen, ob es nicht gefährlich ist, mit anderen zusammen zu kooperieren, ein Bündnis einzugehen, weil die Waffen inzwischen gleich geworden sind. Auch wir haben bei uns bereits den Anfang des Notabelntums, den Anfang der Erstarrung, des Toten und Leeren. Wollen Sie Beweise, so sehen Sie sie an jedem Tage. Sie sehen den Kongress mit notwendigen acht Vizepräsidenten, Sie sehen den Parteiehrgeiz, den Fraktionismus, der nichts anderes tut als aufpassen, dass keine Gruppe 249