Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 270)
- Language
- German, English, Hebrew
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mit ihrem gesetzten Temperament, Leute mit 36 oder 37 Grad Wärme in geringer Zahl hinzukommen, erhöhen sie nur die Dampfkraft unserer Maschinen, aber wenn sie entscheidend werden, werden sie nur das Hindernis vergrössern, denn bei jedem Schritt wird die erste Fpage lauten: „Was soll Euch diese Arbeit?" Unsere Freiheit kann nur aus innerer Freiheit und nicht aus der Knechtung entstehen. Unsere Schulter war schon einmal unter das Joch der Bureaukratie und der Bevormundung gebeugt, aber wir werden nicht unseren Nacken noch einmal einem eisernen Joch aussetzen, von dem uns die Freiheitskraft, die im Zionismus liegt, befreit hat, die auch die Herrschaft der anderen Kolonisationsinstitute zu bändigen verstand. Eine Körperschaft, die nicht den Gewählten des Volkes verantwortlich ist, muss sich letzten Endes in eine Bureaukratie verwandeln. Und Bureaukratie bedeutet Herrschaft des Einzelnen. Herrschaft bedeutet aber Lahmlegung jener Schaffenskraft, für die wir leben und ohne die es nur Stagnation gibt. Und ein zur Stagnation und zum Schweigen gebrachter Mensch wird auch dann nicht zu Taten aufgerüttelt werden, wenn die Kapellen ihm die Hatikwah in die Ohren schmettern. Die Fähigkeit zur Tat wird von selbst verschwinden. Vielleicht wird Geld da sein, aber man wird nicht den arbeitenden Chaluz finden, den Chaluz, den kein Feuer verzehrt, weil die innere Freiheit in ihm lebt, ohne die das Feuer erlischt. Ja, die Exekutive, die aus solchen ernannten Mitgliedern zusammengesetzt sein wird, wird „homogen" sein, gleichmütig, ruhig, ohne Gärung. Die Erstarrung ist immer homogen und in eine solche Erstarrung werden wir auch unsere Bewegung bringen. Wir sind kein Staat, dessen Bewohnern es unmöglich ist, ihn zu verlassen, auch wenn sie unter einem ihnen nicht genehmen Regime leben; da ist eine vollständige Zerbröckelung nicht zu befürchten, selbst wenn die Massen in Parteien zerfallen. Wir aber sind eine Bewegung von Freiwilligen und dazu eine exterritoriale Bewegung. Mit Gewalt kann man sie nicht zusammenhalten. Wenn ihre Anhänger zerbröckeln, beginnt das gemeinsame Band zu fehlen. Ein unerwünschtes Regime, das an den Prinzipien rüttelt, wird von der Organisation ganze Parteien abstossen. Wir haben schon ein lebendiges Beispiel dafür. Und das ist nur der Anfang! Die amerikanische Konstitution vereinigt die ganze Macht in der Hand eines Einzelnen. Wir beugen unser Haupt vor dieser Verfassung, aber sie passt uns nicht, weil wir uns nicht vom blauen Himmel herunter unsere Richtung vorzeichnen lassen. Wir haben seinerzeit die Koalition nicht deshalb gewählt, weil sie in England existierte, und wir behandeln sie jetzt nicht deshalb verächtlich, weil gegenwärtig in England ein homogenes Kabinett herrscht. Wir werden von inneren Motiven und nicht von äusseren Strömungen geleitet. Nicht Zufälligkeit oder Mode bestimmt dieses oder jenes System, sondern das Gebot der Stunde, und nicht für jeden Kriegszustand ist die Diktatur geeignet, sondern oft das Gegenteil — die gemeinsame Verantwortung aller Strömungen. Und wir leben in einem unaufhörlichen Kriegszustand. Ich verteidige nicht das demokratische Prinzip in abstracto, sondern die Existenz der Zionistischen Organisation und die Erhöhung ihrer Kraft. Denn ohne Zionismus gibt es keine Jewish Agency und ohne Demokratie wird dem Zionismus der Lebensnerv entzogen. Es gibt drei Arten von Reiterrt: den einen wirft das Pferd ab, der zweite meistert es, der dritte sitzt schön oben, aber das Pferd führt ihn, wohin es will. Kann man das Pferd nicht beherrschen, so ist es besser herunterzufallen, als sich in der Situation des Scheinreiters zu befinden, der nur zu reiten vorgibt. Immer gerade der Wirklichkeit ins Auge schauen und sogar Unrecht begehen, nur nicht zum betrogenen Narren werden! Und das ist die Bürgschaft, die wir verlangen: edle Pferde, die sich ihrer Würde und Kraft bewusst sind, aber die Zügel fest in unserer Hand! Und darin besteht die Weisheit der Diplomatie: die Zügel so zu halten, dass der Gelenkte es nicht fühlt. Dem Präsidenten der Organisation alles Vertrauen, aber Präsidenten und Winde wechseln und jeder besitzt eine andere Art des Reitens. Unser Los vertrauen wir nur dem Ewigen an. Nur das Ewige an Israel, und das ist das Volk, 247