Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 250)
- Language
- German, English, Hebrew
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wachsen nicht in derselben Proportion unsere Kräfte in der zionistischen Bewegung. Das zu sagen, ist kein Verbrechen, das ist kein Defaitismus; das ist, wie ich tief überzeugt bin, eine wissenschaftliche Konstatierung von Tatsachen. Es ist niemand daran schuld, dass sich mit einem Schlage die Welt geändert hat und dass wir diese Aenderung nicht in derselben Proportion mitgemacht haben; sondern es ist vielleicht so, dass die Aenderungen, die mit uns vorgegangen sind, viel eher dazu beigetragen haben, unsere Kräfte zu schwächen als sie zu stärken. Es genügt, daran zu erinnern, dass die Hälfte des Judentums ökonomisch und politisch lahmgelegt ist oder sich erst langsam wieder emporarbeitet. Die Probleme im Zionismus aber stehen nicht still, sondern sie wachsen immer fort, und infolgedessen sind wir alle — und da will ich wirklich nicht mehr auf Formalistik eingehen — zu dem Beschlüsse gekommen, ohne uns etwas vergeben zu haben, dass wir allein diese grossen Probleme nicht mit der Geschwindigkeit werden lösen können, mit der man sie lösen muss. Wie Herr Sokolow schon richtig ausgeführt hat: Im Keren H a j e s s o d-Prinzip war eigentlich das Bekenntnis gegeben. Ich glaube nicht, dass unter allen, die hier sitzen, sich nicht soviel Weisheit aufbringen lassen wird, um die banale Wahrheit einzusehen, dass man nicht Leute dazu zwingen kann, auf die Dauer nur Geldsammler und Geldgeber zu bleiben, ohne dass sie fragen, wie das Geld ausgegeben wird, auch wenn die Herren absolut überzeugt sind, dass das Geld richtig ausgegeben wird. Sie können — um nur ein Beispiel zu nehmen — nicht einen Direktor Wassermann aus Berlin nach Posen oder Leipzig sammeln schicken und ihm verwehren, dass er einmal Einsicht nimmt, wie die Sachen verwaltet werden. Im Gegenteil, damit dieser Herr und die anderen Herren die Sache so betreiben, wie wir wollen, dass sie betrieben wird, müssen wir auch wollen, dass sie einen Teil der Verantwortung auf sich nehmen. Wir sind doch Demokraten, und man wirft ja auch mit einer solchen Generosität hier mit demokratischen Formeln nach links und rechts herum. Es gibt ein demokratisches Prinzip: Keine Vertretung ohne Verantwortung. Es gibt ein demokratisches Prinzip, dass der Steuerzahler auch hineinsehen soll, wie die Steuern verwaltet werden, und daher sollten wir verlangen, dass die Herren diese Verantwortung mit uns teilen. Aber kommt man zur Verwirklichung dieser einfachen und sich aus der Logik der Dinge zwingend ergebenden Tatsache, so entsteht im zionistischen Lager ein Geheul: Philister über dir! Und es entsteht eine Panik, nicht vor den Arabern, sondern vor den Juden, die einen Anschlag machen werden auf die heiligen Güter, die Herr Grünbaum gegen mich schützen zu müssen glaubt. Ich habe für den Keren Hajessod nicht nur in Amerika, sondern auch in einigen Städten Westeuropas gearbeitet, und ich sah, wie man notgedrungen dazu kommt, die Herren, die nicht in die Zionistische Organisation eingereiht sind, in die Verwaltung des Keren Hajessod hereinzunehmen. Haben Sie sie einmal in die Verwaltung des Keren Hajessod hereingenommen, so werden sie notwendigerweise auch in die 15* 227