Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 248)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ansicht, dass die Frage der Jewish Agency noch nicht reif sei, weil diejenigen, die eintreten und sich uns anschliessen wollen, noch nicht da sind. Ich bedaure sehr, dass Herr Fischer nicht aufmerksam gelesen oder gehört hat, was wir berichtet haben. Es ist nicht mehr eine abstrakte Frage, sondern eine Tatsache, dass Vertreter des Board of Deputies in England mit uns in Verhandlungen stehen und bereit sind, unter günstigen Bedingungen mit uns zusammenzuarbeiten und — die Sache steht noch offen vor dem Kongress — sich mit uns zu vereinigen, ohne die Zionistische Organisation zu stören. Das ist schon eine Frage, auf die man unsere Antwort erwartet. Mein letztes Wort aber ist: Wenn wir die Anderen in unsere Reihen aufnehmen, dann soll das mit Würde, Freundlichkeit und Liebe geschehen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann (lebhaft begrüsst): Geehrter Kongress! Es hat eigentlich nicht viel Berechtigung, Sie in dieser späten Stunde mit Debatten und Reden aufzuhalten. Die allerwichtigsten Punkte sind von meinem Vorredner und Kollegen Herrn Sokolow besprochen worden und ich will nur meinerseits manches in aller Kürze ergänzen. Wenn ich aber doch noch vor Sie hintrete, so geschieht es deshalb, weil sehr viele Redner mir die Ehre erwiesen haben, sich mit mir besonders zu beschäftigen. Ich werde in der Reihenfolge beginnen, in der sich diese Beschäftigung vollzogen hat, und mit Herrn Grünbaum anfangen. Ich habe nicht die Gabe, die Herr Sokolow besitzt, und ich werde versuchen, Herrn Grünbaum gleichfalls sehr ernst — denn auch er meinte es sehr ernst — mit einigen Worten zu antworten. Herr Grünbaum basierte einen grossen Teil seiner Rede darauf, dass wir eine defaitistische Stimmung verbreitet haben: und auf .Defaitismus folgt natürlich logischerweise immer Kapitulation und Abdankung. Er verstärkte diese Anschuldigung noch dadurch, dass er behauptete, man kapituliere um irgendeiner Illusion willen. Ich weiss nicht, worauf Herr Grünbaum alle diese Behauptungen gründet. Ich weiss nicht, wo er den Defaitismus und die Kapitulation herausgelesen hat. Herr Grünbaum hat nichts von den Verhandlungen gehört, die ich geführt habe, und er weiss nicht, was in diesen Verhandlungen vorgegangen ist. Er hat also etwas vorausgesetzt, was nicht auf Tatsachen beruhte, und malte in seiner überhitzten Phantasie etwas aus, was in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Ebenso wenig berechtigt waren die mir in einem grossen Teil der Presse mancher Länder auf Vorschuss erteilten Vorwürfe und Titel. All das ist überhitzte Phantasie ohne einen einzigen Funken von Realität. In meinen Verhandlungen mit den Juden, die Sie alle hier als Plutokraten oder weiss Gott was bezeichnet haben, ist nicht ein Jota von den fundamentalen Prinzipien des Zionismus verschachert oder verschleudert worden. (Grosser Beifall.) Und als Zionist, der vielleicht auch etwas in der Bewegung geleistet hat, schleudere ich diese