Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 245)
- Language
- German, English, Hebrew
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tun können. Werden wir den Weg gehen, den früher manche jüdische Kreise gegen den Antisemitismus eingeschlagen haben, den Weg der Abwehrvereine? Das ist wohl nicht der Weg. Wir stehen auf einem anderen Standpunkte. Wir müssen Tatsachen schaffen. Tatsachen schaffen heisst: Juden nach Erez Israel führen. Politische Tatsachen schaffen heisst: die Vereinigung des jüdischen Volkes herbeiführen.^Herr Farbstein hat gemeint, nicht bloss durch Armeen und Flotten haben kleine Völker ihre Selbständigkeit und Freiheit erreicht, sondern sehr oft durch die ungeheure Macht des Volkswillens. Ich unterschreibe das. Aber wo ist der jüdische Volkswille? Er ist noch nicht genügend zum Ausdruck gekommen. Wir haben in London, in Paris und in San Remo vom jüdischen Volkswillen geredet. Man hat es uns ^geglaubt. Jetzt müssen wir mit Dokumenten des jüdischen Volks willens kommen. Es hat noch kein Volk gegeben, das nicht in einem Willen vereinigt gewesen wäre. Ich will von dem Unterschiede ganz schweigen, dass ja die anderen Völker in ihren Ländern vereinigt sitzen und bloss Freiheit und politische Unabhängigkeit verlangten. Ich will mich damit begnügen, bloss zu betonen, dass das ganze Volk in einem Willen einig sein muss, damit man uns nicht sagen kann, was mir persönlich der verstorbene Präsident H a r d i n g, unser Freund, gesagt hat, als wir vom Zionismus sprachen: Es ist ja eine ganz schöne Sache, aber es gibt Juden, welche dagegen sind. „Ich habe mit Rabbinern geredet — fügte er hinzu — der eine war dafür, der andere war dagegen." Ihr müsst Euch in die Denkart eines Nichtjuden versetzen, der sich vor eine Frage gestellt sieht, über die die Juden selbst geteilter Meinung sind. Darum muss es unser Streben sein, das zu bestätigen, was wir damals gesagt haben und was man uns aufs WTort geglaubt hat, dass das ganze jüdische Volk Erez Israel will und verlangt, dass ein einheitlicher Volkswille vorhanden ist. Wie sollen wir nun dazu kommen und wie kann sich diese Tatsache manifestieren? Da komme ich nun zu der Frage, über welche der Kongress geteilter Meinung ist. Aber der Kongress ist nicht nur in der Frage selbst geteilter Meinung, sondern er ist geteilter Meinung infolge der Legenden, die sich um diese Frage herum gebildet haben. (Zustimmung.) Man denkt schon an zwei Parteien im Zionismus — gestatten Sie mir den Kalauer: Es gibt schon Zionisten und Heranzieh-onisten. (Stürmische Heiterkeit.) Es ist ein Unglück gewesen, dass man dies zur Parole für den Wahlkampf gemacht hat. Ich will unserer Presse keine Vorwürfe machen: wir haben eine ausgezeichnete Presse und sie leistet unserer Sache grossartige Dienste, aber die Neuigkeiten, besonders die sensationellen, sind sehr knapp, und darum haben manche Organe diese Legenden weidlich ausgenützt. Aus dieser Stimmung heraus interessierte mich die Rede des Herrn Grünbaum sehr lebhaft. Als ich diese Rede hörte, wollte ich meinem Freunde (auf Dr. Weizmann hinweisend) den Spruch Hillels, in einer Paraphrase, zurufen: AI d'fraktioneth fraktionich wessof 222