Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 233)
- Language
- German, English, Hebrew
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Eine solche Illusion war vor einem Jahr der a 11 j ü d i s c h e Kongress. Eine solche Illusion ist heute die nichtzionistische Jewish Agency. Es gibt solche, die die Leitung wegen der Losung eines jüdischen Kongresses beschuldigten. Aber schuld sind nicht nur die, welche beschuldigt wurden, sondern auch die, welche die Beschuldigung aussprachen. Denn auch sie haben an dieser Illusion Gefallen gefunden. Also auch sie sind für die Kompromittierung dieses Gedankens verantwortlich. Sie verwarfen die Losung, weil sie "cler Wirklichkeit entfliehen wollten. Der Gedanke eines jüdischen Kongresses war eine Zuflucht für die in Wirklichkeit Ratlosen. Sie haben sich geändert, aber die Worte, die halben Worte sind geblieben. Der Gedanke des alljüdischen Kongresses blieb eine rhetorische Figur, eine schöne Einleitung zu einem prosaischen Vorschlag. Und der Vorschlag muss prosaisch real sein. Und gerade weil der Ausweg real sein muss, darum haben wir keinen Ausweg. Die Frage betrifft nicht nur das demokratische Prinzip. Wenn die Nichtzionisten wirklich den Aufbau Palästinas wollten und nicht die elementaren Hauptpunkte dieses Aufbaues, nämlich die jüdische Arbeit, ablehnten, dann würden sie uns nicht schrecken. Denn wir sind des Schicksals der jüdischen Demokratie sicher, sobald sie an dieses schwere Experiment' schreitet. Aber inwieweit jene Hilfe von wirklichem Wert ist und inwieweit dem Aufbau Palästinas von dort Gefahr droht, darüber kann kein Zweifel bestehen. Dieser Ausweg ist nicht real, und wenn er real wäre, wäre er schädlich. Aber wie bezüglich dieses Vorschlages kein Zweifel bestehen kann, ebensowenig kann von einem Vorschlag die Rede sein, der heute hier bezüglich des Keren Hajessod gemacht wurde. Denn wenn wir eine organisatorische Form für die Erweiterung des Kreises der Palästina aufbauenden Kräfte suchen, dann ist es unmöglich, die Jewish Agency durch zwei Institutionen zu erweitern: die Zionistische Organisation und den Keren Hajessod. Denn diese beiden Kreise decken einander im allgemeinen. Es wäre ein organisatorischer Nonsens. Es würde die Zionistische Organisation schwächen und den Charakter des Keren Hajessod verfälschen und dabei nichts Ernstes und Reales schaffen. Der Wert des Keren Hajessod als eines Instrumentes, die grosse Masse der Palästinaarbeit näherzubringen, ist sehr bedeutend und er wird uns helfen, die zionistische Bewegung zu verbreitern. Also wieder kommt eine Illusion, wieder eine eitle Hoffnung, wieder wird etwas vorgemacht und wieder eine Politik Potemkinscher Dörfer. Seijen wir doch die Lage mit realen Augen an. Wir sind Vereinzelte mit einem grossen Reservoir geblieben, welches zu uns kommen kann und zu uns kommen wird. Wir müssen es nur heranziehen. Darin liegt die Notwendigkeit der Reorganisation der Bewegung. In dieser Frage gibt es kein Kompromiss. Umsonst kam heute Dr. Levin mit der Kompromisstendenz, Frieden zu schliessen. Da hatte Weizmann recht, dass er die Frage in ihrer ganzen Schärfe aufrollte. Die Hauptsache ist nicht, dass der Kongress schön ausfällt und friedlich endet. Die Hauptsache ist, dass der Kongress mit scharfem Schnitt 210